105 Millionen. Ein Spieler, der eine derart hohe Summe kostet, muss etwas Besonderes sein. Ein einzigartiges Talent, ein einzigartiger Spieler auf der Fußballlandkarte. Ein Spieler, wie er nur alle paar Jahrzehnte vorkommt, ein absolutes Megatalent. Einer, der vor lauter Auszeichnungen und Preise nicht mehr weiß, wohin damit. Doch der Mann, der fortan Rekordtransfer genannt wird, wird all dem nicht gerecht. Paul Pogba trifft nicht wie am Fließband und reiht nicht Übersteiger an Übersteiger. Warum er sein Geld dennoch wert ist.

Menschen machen Fehler. Selbst die vermeintlich unfehlbaren, die sogenannten Big Player sind nicht davor gefeit. Alex Ferguson kann ein Lied davon singen. Kaum ein Tag vergeht aktuell, ohne das ihm sein größten Fehler vor Augen geführt wird: Paul Pogba. Der Sir war es, der Pogba vor vier Jahren fortschickte. Ferguson zog es vor, sich nicht stundenlang mit dem jungen Hoffnungsträger zu befassen, ihn nicht mühselig zu bearbeiten, um ihm von einem Verbleib in Manchester zu überzeugen. Ein Jahr später verließ Ferguson den Verein als Meister, Held und als erfolgreichster United-Trainer aller Zeiten. Niemand sprach damals von Pogba, denn die Rechnung, die bekamen seine Nachfolger zu spüren.

Was wäre passiert, hätte sich Pogba im Jahre 2012 gegen Juventus und für einen neuen Vertrag beim englischen Primus entschieden? Paul Scholes wäre längst vergessen und Pogba die neue Identifikationsfigur. Die Krise, in die der Verein unter Fergusons Nachfolger David Moyes schlitterte, wäre zu einem Triumphzug verkommen. Leicester wäre heute ebenso wenig Meister wie United Europa-League-Teilnehmer. Doch Hätte, Wenn und Aber zählen nicht. Paul Pogba ist heute viermaliger italienischer Meister, Manchester United um 105 Millionen Euro ärmer.

Dennoch, um das Hätte,-Wenn-und-Aber-Szenario abzuschließen: Jose Mourinho wäre gar nicht erst in die Lage gekommen, eine dreistellige Millionensumme an Juventus Turin zu überweisen. Bereut hat er es laut eigener Aussage nicht. Wieso auch? Das Profil des Deals passt für beide Seiten. Paul Pogba ist zurück bei „seinem“ Verein, um seine „Mission“ zu beenden – geschmückt mit dem netten Nebeneffekt von 330.000 Euro Gehalt pro Woche. Manchester United kann durch diesen Transfer wieder um Titel spielen. Pogba ist das letzte Puzzleteil einer Mannschaft, die mit Ibrahimovic, Bailly, Mkhitaryan und dem neuen Coach Mourinho wieder zu einer europäischen Macht werden kann. Ganz zu schweigen vom Marketing-Effekt dieses Glitzer-Glamour-Transfers. Pogba ist ein Superstar, 15 Millionen Menschen folgen ihm über die Sozialen Netzwerken. Der Franzose gilt als kommender Weltfußballer und polarisiert schon heute wie kaum ein anderer. Auf die Trikotproduzenten wartet definitiv eine Menge Arbeit.

„Geld schießt keine Tore“. Ein in diesen Tagen von Kritikern gerne benutztes Zitat, wenn es um die irrsinnigen Transfersummen geht. Im Fußball ginge es nicht um Geld, man könne Qualität nicht kaufen, doch mal im Ernst, man kann! Mal abgesehen davon, dass dieses Zitat völlig auf dem Zusammenhang gerissen wurde, hat es seine Wertigkeit längst verloren. Real Madrid gewann zwei der drei letzten Ausgaben der Champions League – praktisch ohne Eigenbauspielern. Der 94-Millionen-Mann Cristiano Ronaldo schoss in 236 Spielen 260 Tore für die Blancos. Geld schießt heutzutage Tore. Wem dieser Vergleich nicht reicht sei gesagt – Paul Pogba wurde ja nicht fürs Tore schießen verpflichtet …

Paul Pogba ist ein Mittelfeldspieler, der sowohl offensiv als auch defensiv Akzente setzen kann. Er mag keine offensive Macht wie Messi oder Ronaldo sein, aber er gehört definitiv zu den Allerbesten seiner Zunft. Und auch wenn sein Preis astronomisch klingen mag, 105 Millionen sind für den besten Spieler Italiens absolut gerechtfertigt. Womöglich nicht für einen Einzelspieler Paul Pogba, aber um ein gutes Team eine Stufe höher zu bringen. Manchester United investierte die 105 Millionen, um eine gute Mannschaft zu einer excellenten zu machen. Um künftig nicht länger eine Nebenrolle spielen zu müssen, sondern um endlich wieder Hauptdarsteller zu sein. Mission accomplished!