Die Transferphase ist endlich vorbei. Passiert ist wie schon in der Vergangenheit nichts Weltbewegendes, trotz sekündlicher Berichterstattung und aberwitziger Gerüchte. Dennoch gibt es auch heuer zumindest einen großen Gewinner. Einen, den niemand so recht auf der Rechnung hatte: Schachtar Donezk. Zugegeben, es mag ein wenig albern klingen, einen Verein, der über den Januar hinweg keine Transferausgaben tätigte, als großen Gewinner darzustellen. Der Grund sind jedoch auch weniger die Ausgaben als die Einnahmen. Diese belaufen sich auf 50 Millionen Euro. Eine immense Summe, die durch einen einzigen Spielerverkauf, jenen von Spielmacher und Neu-Chinese Alex Teixeira erwirtschaftet werden konnte. Wochenlang flirteten die Topklubs mit dem brasilianischen Spielmacher. Mal hieß es, er ginge zu Chelsea, mal zu Liverpool. Schlussendlich wurde es China. Spieler weg, Geld da. Schachtars Business-Plan ging einmal mehr voll auf.

Es ist nicht der erste Verkauf dieser Art. Schachtar hat sich einen Namen gemacht in Europa. Durch gezieltes Scouting und eine Vielzahl an interkontinentalen Kontakten wurde Schachtar zu einer Art Fußballanstalt für brasilianische Talente. Es ist eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung. Schachtar füttert sein Nest mit den besten aufstrebenden Talenten und erntet dann die Gewinne, wenn die Vögel bereit sind, zu größeren Vereinen zu fliegen.

Gleichzeitig tun sie ihren Spielern auch einen großen Gefallen. Denn der Sprung von Brasiliens Samba-Dribbel-Fußball zu jenem der Weltklasse-Klubs Europas ist ein signifikanter. Ein Großteil der Spieler würde gehörig auf die Schnauze fallen, gäbe es keine Klubs, die durch  überragendes Scouting diese Kluft überbrücken. Vereine, welche die Ecken und Kanten der Talente polieren und diese dann zu Europas Giganten für einen ordentlichen Gewinn verteilen.

Villarreal und Porto haben diese Art von Business-Plan erfunden, Schachtar Donezk hat ihn kopiert und verbessert. Die Ukrainer sind drauf und dran, Brasiliens berühmtesten Fußball-College zu werden. Die Strategie funktioniert für die Ukrainer dabei auf mehreren Ebenen. Im besten Fall verkaufen sie die Spieler nicht nur mit großem Profit an die Beletage der Fußballklubs weiter, sondern profitieren auch vom reinen Talent der Spieler. Ob Fernandinho, Douglas Costa oder Willian, allesamt stellen sie die heimische Dominanz sicher, damit Donezk weiterhin in der Champions League vertreten ist.

Wie in jedem Business gibt es aber auch hier Rückschläge. Selbst dann ist der Klub jedoch in der Lage, den Spieler zumindest für die eigenen Zwecke zu nützen. Jádson verbrachte sieben Jahre bei Schachtar, bevor er im Jahr 2012 nach Brasilien zurückkehrte, im Alter von 29 Jahren. Luiz Adriano verbrachte gar acht Jahre in der Ukraine, überzeugte aber mit 77 erzielten Treffern. Es zahlt sich nicht jedes Glücksspiel aus, trotz noch so sorgfältigem Scouting. Schachtar versteht es jedoch, immer und überall das Maximum aus einem Spieler herauszuholen.

Bernard ist das Paradebeispiel dafür. Aus Mineiro geholt, hatte er von Beginn an Anpassungsschwierigkeiten im kalten Europa und ein Problem mit der lakonischen Art des Trainer-Urgesteins Mircea Lucescu. Ganze 25 Millionen war er den Ukrainern wert gewesen. Heute, zwei Jahre und ein 1-7 Debakel später wird sein Marktwert aber nur noch auf 15 Millionen geschätzt. Auf den ersten Blick betrachtet wirkt es wie ein Minusgeschäft. Doch ein wirkliches Problem stellt er nicht dar, verfügen die Ukrainer doch über genügend Kleingeld. Irgendwo müssen die großen Gewinne der Fernandinho, Costa, Fred und Teixeira-Transfers hinein gesteckt werden. Schachtar hat den Luxux, dem Spieler noch ein bis zwei Jahre Entwicklungszeit zu geben, ohne gleich einen finanziellen Kollaps zu erleiden. Und beim aktuellen Erfolg können  die Verantwortlichen sowieso nach Blick nach oben richten. Gut möglich, dass in zehn Jahren nicht mehr ums Champions League-Achtelfinale gespielt wird – sondern um den Titel!