The Hurrikane

Arsenal wollte ihn nicht. Chelsea wollte ihn nicht. Selbst Watford wollte ihn nicht. Als der 11-jährige Harry Kane anno 2004 in der Fankurve der Spurs stand, schien sein Traum von einer Karriere als Profifußballer schon ausgeträumt  – wie er dennoch zum größten Versprechen des englischen Fußballs wurde.

“Harry Kane wird zum Hoffnungsträger Englands aufsteigen.” Hätte man dies den Jugendtrainern von Arsenal und Watford damals gesagt, “Harry wer?” wäre die Antwort gewesen. Längst vergessen hatten sie ihn, den kleine blonde Junge aus dem Londoner Stadtteil Walthamstow, nachdem sie ihn reihenweise abgelehnt hatten. Zu langsam sei er gewesen. Nicht beweglich genug. Zu brav fürs Profigeschäft. 

Heute nennen sie ihn ‘The Prince’ und ‘Hurrikane’. All jene, die ihn einst für unnütz erachtet haben, feiern ihn nun als ‘Englands Retter’. Ihn, den kleinen blonden Jungen, der einst zu inkompetent für einen Verein wie Watford war, jagt mittlerweile die halbe Welt. Darunter Topklubs wie Real Madrid und Chelsea FC. Darunter auch all jene, die ihn damals nicht wollten. Heute blitzen sie  mit Angeboten über 50 Millionen Euro bei ihm ab. Er wird den Spurs noch länger treu bleiben. Als jahrelanger Stadiongänger, als treuer Fan, der nur all zu oft den 15 Minuten-Gehweg zum Stadion ging mag dies wenig verwunderlich sein. Ist Tottenham doch nach wie vor “sein” Verein. Und war Tottenham doch der einzige Verein, der ihn damals nicht sofort wieder von der Akademie warf.

Im Gegenteil, als 11-jähriger in die Akademie aufgenommen, ging sein Weg fortan steil nach oben. Einen roten Teppich haben sie ihm aber nie ausgerollt. Zwar traf Kane für jede Jugendmannschaft, aber es gab immer Bedenken, ob er die Schnelligkeit und Stärke besitzt, um auf höchstem Level zu agieren. Trotz seiner offensichtlichen Begabung für das gegnerische Tor. Trotz seiner genialen Torquote. Verkauft wurde er allerdings nie. Auch nicht nach seinen vier(!) Leihen, die allesamt nur mäßig erfolgreich verliefen. In seinem letzten Jahr als Leihspieler hatte er bei Leicester City, damals ein hochkarätiger Abstiegskandidat, gar Probleme, es überhaupt in den Kader zu schaffen. 

Die Spurs gaben ihm eine Chance. Mauricio Pochettino gab ihm eine Chance. Wohlwissend, dass die Anhänger nach Gareth Bales Abgang wieder einen Fanliebling und Superstar brauchten. Einen, der ihnen stets das Gefühl gibt, dass schon im nächsten Augenblick etwas Magisches geschehen kann. Einen wie Harry Kane eben. Einer ‘ihrer’ Jungs, einer der damals selbst jeden Sonntag in der Kurve stand. Pochettino führte Kane an die Mannschaft heran, ermöglichte ihm den Durchbruch. Und der gelang. Binnen eines halben Jahres brachte Kane es von der zweiten Mannschaft zum 30 Tore-Mann im Profiteam und zum Nationalspieler – Respekt!

“Soldado, he came from sunny Spain to train with Harry Kane”

 “Soldado, he came from sunny Spain to train with Harry Kane”, lauten mittlerweile die Gesänge der Spurs-Anhänger. Nicht der 30-Millionen-Einkauf aus Spanien, sondern das Eigengewächs sorgt für die Tore. Verdrängt hat er ihn, den Nationalspieler und Topstürmer, der mittlerweile wieder gen Spanien geflüchtet ist. Weg von der Konkurrenz in Persona Harry Kane. Weg von dem Mann, der England zum EM-Titel schießen soll. Möglich ist das auf jeden Fall. Denn für einen Harry Kane ist nichts unmöglich. In seinen Debütspiel für die ‘Three Lions’ traf er nach 78 Sekunden. Selbst Elfmeter soll er schießen können. Kein Wunder also, dass er Englands größtes Versprechen ist.