Es kann nur besser werden

Es ist und war ein verlorenes Jahr für Real Madrid. Statt mit den Fans gemeinsam Champions League und Ligagewinn zu feiern, setzte es monatelang Pfiffe gegen das Team, woraufhin der Vorstand ausgerechnet den Erfolgscoach Ancelotti als Bauernopfer auserkor. Welche Lehren aus 2015 gezogen werden können, um ein zweites 2015 zu verhindern.

Trainerpolitik:

Rafael Benitez betritt die Bühne und lässt sich von den Fans feiern. Vergessen, all die Kritik, der Hass, die Ignoranz, die ihn seit seinem Amtsantritt umgeben hat. Er, er ganz alleine hat das Wunder vollbracht, ohne den Support der Fans und Medien die Champions League zu gewinnen. La Undecima, ein beachtlicher Triumpf, vor allem einer, den nach dem 0-4 Debakel im Hinrunden-Clasico nur noch ein paar hirnverbrannte Optimisten für möglich hielten. 

Wie schön wäre es, würde dieses Szenario Realität werden. Das es dies auch tatsächlich wird, erscheint derzeit aber nicht nur äußerst unwahrscheinlich und ziemlich weit hergeholt, sondern kann einfach ausgeschlossen werden. Von einer Mannschaft Titel zu erwarten, die zwei Platzverweise benötigt, um sich zuhause gegen den kleinen Nachbarn Rayo Vallecano durchsetzen zu können. Eine Mannschaft, die aus einem formschwachen Superstar und einem dauerverletzten Kapitän und Abwehrchef besteht, kann ganz einfach keine Titel gewinnen. Sie kann es versuchen. Siehe 0-4 Debakel.

Zugegeben, an der Tatsache, das Sergio Ramos dauerverletzt ist, trifft Rafa Benitez keine Schuld. Ganz anders die Sachlage bei Cristiano Ronaldo. Den besten Torschützen der Welt gegen dessen Willen umpositionieren, nur um seine eigene, konservative Formation umsetzen zu können, auf diese Idee muss man zuerst einmal kommen. Wer braucht schon einen Spieler, der konstant und verlässlich 50 Tore pro Saison schießt, wenn man auch dessen Moral und Torquote zerstören kann. Rafa Benitez offensichtlich nicht.

Wer glaubt, dass das alles war, täuscht sich gewaltig. Ausgerechnet Toni Kroos, wichtigster Spieler im Mittelfeld, Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, erkor er als Bauernopfer für den schlechten Saisonstart. Mit James Rodriguez, verlässlicher Vorlagengeber und Spielmacher, soll er sich zerstritten haben. Sein Verhältnis zur Mannschaft gilt allgemein als kühl und oberflächlich. Besserung ist nicht in Sicht.

Das Erbe von Carlo Ancelotti wiegt schwer. Zu schwer. Rauswurf hin oder her, Ancelotti war der perfekte Trainer für die Superstars. Das Benitez je Ancelotti-Niveau erreichen wird, kann ohne Änderung ebenso wie das oben angeführte Szenario ausgeschlossen werden. Es braucht frischen Wind im Bernabeu, will man die nächsten Jahre nicht erneut ohne Titelfeier am Cibeles-Brunnen verbringen. Es braucht einen Mann, der sowohl über Klasse als auch Erfahrung verfügt. Einer, der endlich die Notbremse zieht. Real Madrid benötigt Jose Mourinho! Besser heute als morgen…

Transferpolitik:

Real Madrid, dieser Name steht für Glamour, Hollywood-Feeling und Superstars. Man kann Präsident Florentino Perez ja einiges vorwerfen, mit seiner Transferpolitik trifft er aber genau den Nerv der Madridista. Luka Modric 2012, Gareth Bale 2013, James Rodriguez 2014, es gilt, jedes Jahr den Fans einen neuen Galactico präsentieren zu können. Je größer dabei der Name, desto besser. Ein Jahr ohne neue Superstars – ebenso wie übriges Geld auf der Bank unvorstellbar. 

Unvorstellbar hin oder her, dieses Jahr so geschehen. Auch wenn, zugegeben, das nicht im Sinne des Vorstandes war. Im Gegenteil, David De Gea hieß das konkrete Ziel – und das wurde verfehlt. Grausam verfehlt. Nach monatelangem Feilschen und gegenseitigem Starrsinn entschieden Perez und Co. einen Tag vor Ende der Transferperiode doch noch, von ihrem Ross runterzukommen und die rund 25-30 Millionen, die angeblich als Kaufpreis ausgegeben wurden, bezahlen zu wollen. 25 Millionen im Gegenzug für einen der Weltbesten Keeper – ein Schnäppchen. 

Das der Senior dies jedoch mal wieder erst ganz kurz vor Schluss geschnallt hat, spricht – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade für seine Intelligenz. Ein ruhiges-, überlegtes- und korrekt ablaufendes Millionengeschäft – wäre ja langweilig. 100 Millionen Euro machte Perez für Bale locker – als wäre es die natürlichste Sache der Welt. 30 Millionen kostete Mateo Kovacic – ein Reservespieler. Aber für einen David De Gea, den nach Manuel Neuer besten Torhüter der Welt, frühzeitig die lächerlichen 25 Millionen Euro zu zahlen, wozu auch. Ist ja nicht so, dass Top-Mannschaften gute Torhüter bräuchten.
Mag sein, dass Keylor Navas aktuell spielt, als ginge es um Leben oder Tod, mit einem Selbstvertrauen, als wäre er fünffacher Weltfußballer, doch diese Tatsache darf nicht als Ausrede gelten. Dieses Mal hatten die Verantwortlichen noch Glück – nächstes Mal könnte es anders sein. Und eine Saison voller Torwartfehler – nein Danke!

 

Der Madridista will wieder Titel feiern dürfen. Besser heute als morgen. Dafür braucht es jedoch endlich diese durchaus realistischen Änderungen. Das der Präsident endlich abdankt – geträumt wird nachts. Ein neuer Trainer ist aber nicht dermaßen abwägig. Und wer weiß, vielleicht merkt der Präsident bis Sommer auch noch, dass Mourinho verfügbar ist. Für ein erfolgreicheres 2016!