Es kann nur einen geben

Eigentlich ist dieser Artikel unnötig. Über die möglichen Gewinner einer Wahl zu schreiben, deren Ergebnis schon seit einem halben Jahr feststeht. Dennoch, im Folgenden ein kurzer Überblick über die Leistungen der Top-3 des Ballon d’Or 2016 und ihre Gewinnchancen.

 

LIONEL MESSI: 

Wer, wenn nicht er? Als Schlüsselspieler in einer überragenden Mannschaft, als Triple-Gewinner und Top-Scorer im Kalenderjahr 2015 muss Lionel Messi diese Wahl gewinnen. Völlig egal, ob Cristiano Ronaldo bezüglich der Tor-Statisiken erfolgreicher war. Völlig egal, ob Messi acht Wochen verletzt war. Im Gegenteil, umso höher sind seine Leistungen einzuschätzen.

Es war ein kompliziertes Jahr für ihn. Seine Mini-Krise im Januar, die Verletzung im Oktober, die Gerüchte um einen Abgang in Richtung England und die Probleme mit Coach Enrique – alles vergessen. Spätestens mit dem Gewinn der Champions League dürfte klar sein, wer in diesem Jahr den Ton angibt, nachdem er zuletzt zwei Mal in Folge Ronaldo den Vortritt lassen musste. 

Mag sein, dass der Fußball von Überraschungen lebt, doch dieses Jahr wird es keine geben. Allein sein Muttersöhnchen-Vorteil gegenüber dem Tulpengeneral-Ronaldo sollte für den Sieg reichen. Und dass Neymar tatsächlich entscheidender beim Triple-Gewinn als er selbst war, daran glauben auch nur ein paar Zurückgebliebene (und ein paar Brasilianer – Stichwort 0:7). Alles spricht für ihm, für Leo Messi – den absoluten Topfavoriten

 

CRISTIANO RONALDO: 

Was für ein enttäuschendes Jahr für Cristiano Ronaldo. Liga verloren, Pokal verloren, Champions League verloren, seinen geliebten Trainer verloren. Zu einer Nominierung in die Top-3 des Ballon d’Or reicht es trotzdem. Nicht zuletzt deshalb, weil er auch heuer wieder zumindest auf individueller Basis Maßstäbe setzt. Die meisten erzielten Tore und das beste Tore-pro-Spiel-Verhältnis sind ebenso wie der Goldene Schuh aktuell in seinem Besitz. Eine Wiederholung seines Triumphs aus dem Vorjahr käme aber dennoch überraschend. Zu schwer wiegen die Titel, die er nicht gewonnen hat. 

Auszuschließen ist allerdings nichts. Auch kein Ronaldo-Sieg. Ist er selbst doch der lebende Beweis dafür, dass nicht immer die gewonnenen Titel entscheiden. Im Jahr 2013 errang er gegen Triple-Gewinner Franck Ribery den Ballon d’Or. Ganz ohne große Titelgewinne, nur mit individueller Klasse. Und die spricht heuer wieder für ihn. Die Gewinne der Torjägerkronen Spaniens, Europas und der Champions League sprechen Bände. Und da laut Regularien (anscheinend hat die FIFA sowas) nur die individuelle Leistung bewertet wird, könnte er durchaus für eine kleine Überraschung sorgen. Ist er doch weiterhin das Nonplusultra der individuellen Klasse. Auch wenn klar sein sollte, dass die Regularien der Wahl ungefähr so wichtig sind wie die AGBs eines Imbisses. 

Dementsprechend gering sind die Chancen auf einen erneuten Jubelschrei. Seine Formkrise zur aktuellen Saison 2015/16 trägt seinen Teil dazu bei. Platz 2 dürfte ihm aber sicher sein. Etwas, das ihn sicherlich interessieren wird…

Tore-pro-Spiel-Statistik

 

NEYMAR: 

Er hat nichts zu verlieren. Das Rennen um den dritten Platz neben den übermächtigen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo hat er bereits gewonnen und sollte er erwartungsgemäß nicht den Ballon d’Or davontragen, würde die Welt auch nicht untergehen. Zwar hat der Brasilianer eine überragende Saison gespielt, doch sein Erfolg wäre eine große Überraschung. Denn all zu viel hat er seinen Rivalen nicht voraus. Zwar hat er vier Titel gewonnen, doch das hat Lionel Messi auch. Zwar hat er unglaubliche 53 Scorerpunkte erzielt, doch damit nur zwei Drittel seines Teamkollegen.

Und aus vielmehr als eine Kombination aus gewonnene Titel und geschossene Tore besteht diese Wahl nicht. Bis auf den Muttersöhnchen-Vorteil eines Messis und der Lobbyarbeit eines Ronaldos vielleicht. Das Einzige, was ihm wirklich zugutehalten werden kann, ist das Timing seiner Tore. Erzielte er über das Jahr hinweg zwar weniger Tore, traf er aber in den wichtigen Spielen. Sowohl in Viertel- und Halbfinale und im Finale der Königsklasse wie auch im Endspiel der Copa del Rey. 

Zudem sollte die Art, wie er Barca in Abwesenheit des verletzten Messi geführt hat, gipfelnd mit dem Trauertag am 21.11 (4:0-Sieg gegen Real), einigen Leuten noch prägnant in Erinnerung sein. Die Großtaten eines Messis liegen dagegen bereits über ein halbes Jahr zurück. Und da nicht zuletzt um die Kurzsichtigkeit eines Großteils der Wahlberechtigten bekannt ist, ist einiges möglich. Auch ein Sieg, Ronaldo hat es 2013 mit seinen vier Toren im Spiel gegen Schweden vorgemacht.  Der krasse Außenseiter bleibt er dennoch.

 

Quellen: Dailymail, The Guardian, messivsronaldo.net
Statistiken: Stand 04.12.2015