Der Beste der Welt

Zahlreiche Rekorde und Titelgewinne stehen in seinem Lebenslauf, vor kurzem feierte er sein 15-jähriges Jubiläum als Spieler des FC Barcelona. Als 13-jähriger mit mickrigen 140 cm Körpergröße unterschrieb er seinen ersten Vertrag, um die benötigten Wachstumshormone zu finanzieren, um sich zum Stammspieler und schließlich zum Legendenstatus hochzuarbeiten. Warum Lionel Messi heute der beste Fußballer der Welt ist.

Es war eine denkwürdige Nacht, die Nacht des Champions League Finals 2015. Der FC Barcelona kürte sich nach einer starken Leistung verdientermaßen zum Champions League-Sieger und zum zweiten Mal nach 2009 zum Triple-Gewinner, während Real zu Hause an der Titellosigkeit litt. Und Lionel Messi? Der stand einfach nur auf dem Rasen von Rom herum, lächelnd, befreit von den ganzen Sorgen und Lasten, von der vielen Kritik, die im Saisonverlauf auf ihn eindrosch.

Als Diva und Sturkopf, gar als untrainierbar stempelte ihn die spanische Presse Ende des Jahres 2014 ab, da er sich unter dem Neu-Coach Enrique nicht zurechtfand. Streitereien um die Position Messis auf dem Feld und um die Trainingsmethoden von Enrique entbrannten, Gerüchte um einen Wechsel zu Chelsea machten schnell die Runde. Gerüchte, ausgelößt durch Leo Messi selbst. Zudem lief es auch in der Liga nicht rund, der Rückstand auf Real betrug phasenweise bereits vier Punkte. Das der Rosenkrieg nicht eskalierte, lag letztendlich an einem Zufall. Entgegen den Anweisungen Enriques wechselte Messi im Spiel gegen Ajax vom Sturmzentrum auf dem rechten Flügel, in der Folge wurde das Spiel zu einer Machtdemonstration des zuvor angeschlagenen Barcas. Fortan sollte der rechte Flügel seine Position bleiben. Messi setzte seinen Willen gegen jenen der Trainer und Kritiker durch und wurde dafür mit dem Triple belohnt. Wer zuletzt lacht, lacht eben am Besten. Dies gilt auch für Lionel Messi.

Stellt sich noch die Frage, was das über die Fähigkeiten eines Fußballers aussagt. Prinzipiell nicht viel. Ein Spieler musste durch die Hölle gehen, um sich selbst und die Mannschaft stärker zu machen. So weit, so gut. Die Tatsache, dass Messi auch heuer wieder Weltfußballer wird, spricht dagegen Bände. Das er Cristiano Ronaldo den Titel in genau jenem Jahr wegschnappt, indem er die komplizierteste sowie mental schwerste Phase seiner bisherigen Karriere durchmachen musste, sollte allen Ronaldo-Jüngern zu denken geben. Klar, ein Jahr mal nur auf Rang 2 zu beenden, was solls. Schließlich wurde Ronaldo bereits in den letzten beiden Jahren Weltfußballer. Doch macht ihn das auch zum besten Fußballer seiner Zeit? Mal abgesehen davon, dass Messi bald fünf dieser Pokale sein eigen nennen darf. Reicht das wirklich, um die Klasse, um das natürliche Talent von Lionel Messi zu übertreffen?

Eine Frage, die sich Millionen von Menschen stellen. Messi oder Ronaldo. Der brave, wohl erzogene Junge aus La Masia oder der extrovertierte Superstar mit einem Faible für Haargel und Sportwagen, die Barca-Legende oder der Real-Superstar, das natürliche Talent gegen den harten Arbeiter. Seit gefühlt tausenden von Jahren diskutiert die Fußballwelt bereits um die Antwort dieser ursprünglich recht simplen Frage. Einigkeit wird nie herrschen. Zumindest nicht solange Ronaldo noch in Madrid und Messi in Barcelona spielt. Kaum ein Madridista wird je zugeben, dass Messi der größere Spieler ist, ebenso wird kaum ein Culé Ronaldo in den Himmel loben. Ronaldo, der Mann mit dem ein Tor pro Spiel Schnitt gegen Messi, den Rekordtorjäger der Champions League, der spanischen Liga und des FC Barcelonas, derjenige, der 2012 91 Tore in 67 Spielen erzielte. 

Er ist zwar nicht der Schnellste und auch nicht der Torgefährlichste, ebenso wenig der beste Flanken- oder Passgeber. Messis größte Gabe ist seine Mühelosigkeit, seine Selbstverständlichkeit am Ball. Es kostet ihn scheinbar nichts, fantastisch Fußball zu spielen, keine Kraft, keine Anstrengung, keine Überwindung. Er spaziert mit einer Leichtigkeit durch die Abwehrreihen, als wäre er ein Flaneur, er trifft aus zwanzig Metern ins Kreuzeck , als kickte er einen Stein vom Gehweg. Nie bekommt man einen erschöpften, leidenden oder hadernden Messi zu Gesicht, nie wirkt er lustlos oder genervt. Wenn er Fußball spielt, ist er ganz bei der Sache, innerlich befreit und mit sich im Reinen. Messi spielt nicht mit der Präzision eines Ronaldos oder dem Flair eines Jogo-Bonito-Zauberers, er hat einfach dieses unfassbare Talent, das kein Anderer hat. Er ist einfach der Größte, auch wenn er beim falschen Verein spielt. Auch ein echter Madridistas sollte das anerkennen!