Ein unnötiges Risiko

Die Bundesliga hat einen neuen Rekord. Stolze 412 Millionen Euro gaben die Klubs in diesem Sommer für Neuverpflichtungen aus, so viel wie nie zuvor. International gesehen verteilten die Vereine damit jedoch fast schon traditionellerweise nur etwas Kleingeld, erreichte Deutschland doch nur den 4. Rang im Ausgaben-Ranking, trotz des kriselnden italienischen Fußballs und der Transfersperre des FC Barcelonas. Die englische Premier League verbuchte gar dreimal so viel Ausgaben wie die deutsche Eliteliga. Schuld an dieser krassen Differenz ist neben der Geldschleuder BT Sport in gewisser Weise auch der RasenBallsport-Klub aus Leipzig. Statt etablierten Spielern und teuren Einkäufen verlassen sich die Bullen heuer auf aufstrebende Talente und ehemalige Salzburger, um den verpflichtenden Aufstieg in die Bundesliga zu fixieren. Warum sich diese Strategie noch rächen wird.

Zugegeben, auf den ersten Blick mag die Kritik vielleicht etwas überheblich wirklich. Schließlich sind die Bullen trotz fehlender Superstars immer noch um 18 Millionen Euro erleichtert worden. Mal ehrlich, ein Verein, der mehr als die Hälfte der Ausgaben der kompletten Liga verbucht, sollte doch problemlos aufsteigen können. Wurde der Kader doch durchaus auch sinnvoll verstärkt. Ein solider Torwart und zwei Nationalspieler kamen aus Salzburg, zwei hochveranlagte Juniorennationalspieler kamen aus Istanbul und Kaiserslautern für die Innenverteidigung. Selbst eines der größten Stürmertalente Deutschlands, Davie Selke, steigt für Leipzig freiwillig in die zweite Liga ab. Wieso also sollte man die Bullen kritisieren?

Schließlich ist Geld nicht gleich Erfolg. Zumindest sind 18 Millionen Euro nicht gleich Erfolg. Der SV Darmstadt ist wohl das Paradebeispiel dafür. Mit ganzen 250 Tausend Euro an Transferausgaben gestartet, schafften die Lillien im letzten Jahr den direkten Aufstieg in die Bundesliga. Statt RedBull feierte eine Mannschaft den Direktaufstieg, die dafür 23 Millionen Euro weniger in Neuzugänge investierte. Klar sollte das nicht als Maßstab hergenommen werden. Niemand wird so schnell wieder einen derartigen Durchmarsch schaffen, zumindest nicht ohne dafür großartig zu investieren. Tatsache ist jedoch, dass Darmstadt heute in der Ersten-, Leipzig immer noch in der zweiten Liga spielt, und es zeigt deutlich, dass es schlussendlich nicht aufs Geld ankommen muss. Wo sind denn die Vereine, die groß investieren? Leipzig wurde wie gesagt trotzdem nur Fünfter und der englische Fußball steht trotz TV-Millionen und Millionenausgaben nur auf Rang 3 der Fünf-Jahres-Wertung. Und Manchester City, der ‘König der Geldschleuderer’, kam trotz Großtransfers noch nicht übers Champions League-Achtelfinale hinaus.

Und dennoch steht etwas von wegen Rache in der Einleitung. Der Grund ist eigentlich recht simple. Fakt ist, trotz der ganzen Lobhudelei, dass Leipzig auch heuer nicht auf Aufstiegskurs ist. Trotz der ach so guten Transfers. Trotz der 18 Millionen Euro Investition. 18 Millionen bedeuten nicht automatisch einen Platz unter den Top-2. Auch nicht in der zweiten Liga. 100- oder 50 Millionen dagegen garantieren einen dieser Plätze. Wenns überhaupt so viel braucht. Ein Dante wäre heuer für lächerliche vier Millionen Euro zu haben gewesen. Ein Spieler, der lange Stammspieler bei den Bayern war, einer, der mit Brasilien bei der WM war. Auch wenn er davon noch immer einen Knacks hat, er wäre immer noch der mit Abstand beste Innenverteidiger der zweiten Liga. Und gerade Leipzig könnte einen absoluten Fanliebling gut brauchen. Wie auch immer, jetzt sitzt Dante halt bei VW auf der Bank. 

22 Millionen oder 18 Millionen, macht keinen großen Unterschied, könnte man meinen. Aufstieg oder Nichtaufstieg dagegen schon. Einen Dante haben oder nicht haben, auch das macht keinen riesigen Unterschied. Anders sieht die Sache bei einem Mario Götze aus. Das der freiwillig ins Unterhaus geht, kann zwar ausgeschlossen werden, sollte es jedoch nicht. Spätestens in der Bundesliga wird Leipzig solche Spieler sowieso brauchen. Da es am Aufstieg jedoch wohl auch heuer scheitert, wäre es nicht schlecht, einfach mal einen Götze für die zweite Liga zu holen. Am Geld scheiterts sowieso nicht, und ob ein Spieler 10 Millionen mehr verdient, daran kanns auch nicht scheitern. Dafür wurde schon zu viel Geld investiert. Die Realität sieht aber nunmal anders aus: Orban statt Dante, Forsberg statt Götze. Und wenns so weiter geht, auch in den nächsten Jahren zweite Liga statt erste Liga…