Zwischen Messi und Adu

Er war das Thema des vergangenen Winters. Martin Ødegaard. Selten gab es einen derartigen Hype um einen 16-jährigen. Als ‘Jahrhunderttalent’, als ‘neuer Messi’ und ‘norwegischer Pele’ wurde er angepriesen, es gab kein Superlativ, das nicht mit ihm in Verbindung gebracht wurde. Das er sich nach einer langen Europa-Tour letztendlich jedoch nicht für eine Talentschmiede wie Ajax sondern für den Nobelklub Real entschied, brachte ihm aber erstmals auch richtig viel Kritik ein. Acht Monate später flammt diese nach zahlreichen kleinen Mätzchen jetzt wieder auf. Wie er zu einem Problemkind werden könnte.

Ødegaard wandert auf einem schmalen Grat. Einerseits wird er aufgrund seiner Spielweise und seines herausragendes Talents immer wieder mit Lionel Messi verglichen. Beide sind Linksfüße, beide sind extrem dribbelstark und beherrschen es wie kaum ein anderer von der Außenbahn nach innen zu ziehen. Ebenso wie Messi gilt auch der Norwege als torgefährlich, gleichzeitig ist er aber auch in der Lage den tödlichen Pass zu spielen. Fünf Tore und sechs Assists sammelte der 16-Jährige in seinen ersten 24 Spielen für seinen Heimatverein Strömsgodset. Sein Ruf als Supertalent kommt also nicht von irgendwo.

Dass Talent alleine aber nicht ausreicht, hat die Vergangenheit bereits gezeigt. Freddy Adu gilt als Paradebeispiel. Geboren in Ghana spielte sich der US-Amerikaner aufgrund seines immensen körperlichen Vorteils gegenüber seiner Alterskollegen schnell in die Notizblöcke der Top-Klubs. Ähnlich wie Ødegaard wurde auch er von den Medien zum Jahrhunderttalent hochgelobt, der ‘Michael Jordan des Fußballs’ sollte er werden. Mit 14 Jahren unterschrieb Adu seinen ersten Profivertrag bei DC United, dazu kamen Millionenverträge mit Pepsi und Nike. Neun Jahre und unfassbare 13 Profistationen später spielt er mittlerweile bei den Texas Bay Rowdies in der zweiten amerikanischen Liga. 

Dieses Schicksal soll ihm erspart bleiben. Seit seinem achten Lebensjahr wird Ødegaard von seinem Vater trainiert – bis zu zwanzig Stunde pro Woche. Dribbling, Ballbehandlung und Präzision standen dabei stets im Vordergrund, Dinge, die heute seine große Stärke sind. Der Norwege will ganz nach oben, selbst heute noch trainiert er um die fünf Stunden pro Woche alleine mit dem Ball. Herausragendes Talent gepaart mit unbändigem Fleiß – das macht den jungen Norweger aus. 

Jahrhunderttalent plus Trainingsweltmeister, das muss doch klappen. Denn all die zuvor gescheiterten Riesentalente hatten zwar die nötigen Fähigkeiten am Ball, jedoch niemals diesen Ehrgeiz, diese Professionalität. Der in ärmlichen Bedingungen aufgewachsene Freddy Adu verriet einst in einem Interview, das er niemals ein Superstar werden wollte, sondern einfach nur ein besseres Leben haben wollte. Wenig verwunderlich ging es mit ihm genau dann abwärts, als er die Millionenverträge mit Nike und Pepsi in der Tasche hatte. Anderen ging es ähnlich. Ryan Babel galt immer als schwieriger Charakter und Sturkopf, Bojan Krkic standen Verletzungen und mangelndes Selbstvertrauen im Weg und Balotelli, naja, Balotelli halt. 

Zurück zur Gegenwart, die gerade etwas kompliziert ist. Mit großen Erwartungen und Versprechen kam Ødegaard im Winter nach Madrid gewechselt, davon übrig geblieben ist nicht allzu viel. Training bei der 1. Mannschaft, Spielpraxis bei der Reservemannschaft, das war der Plan. Die Realität sah etwas anders aus: Er zerstritt sich mit dem Reservetrainer Zidane, weil er nicht mit der Reservemannschaft trainieren wollte, wodurch er nicht hundertprozentig in die Mannschaft eingebunden werden konnte. Dazu verpasste die Reserve den Aufstieg in die Segunda Division, Ødegaard wurde dafür verantwortlich gemacht. Das der 16-jährige die Vorbereitung mit den Profis bestritt, enspannt die Lage auch nicht wirklich. Ausgeliehen soll er nun werden, wenns nach der Klubführung geht. Ob das der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Freddy Adu wurde sechs Mal ausgeliehen, gebracht hats nicht. Aber das ist eine andere Sache. 

Das Jahrhunderttalent steht am Scheideweg. Mit der richtigen Leihe könnte er schon im nächsten Jahr fix zur Profimannschaft gehören, beim gegenteiligen Fall könnte er größere Probleme in Madrid bekommen. Er wird wissen, was auf dem Spiel steht. Messi oder Adu? Ødegaard wird seinen eigenen Weg gehen.