Prädikat ‘gut’

Groß war die Aufregung am 31. August 2013. Völlig überraschend sicherte sich der FC Arsenal dazumal am letzten Transfertag für 50 Millionen Euro die Dienste von Mesut Özil. Fortan sollte eben jener bei Arsenal für Furore und Titel sorgen, das Erbe des großen Thierry Henry übernehmen. Als Hoffnungsträger geholt, scheiterte er jedoch. Zum einen aufgrund der hohen Erwartungshaltung der Fans, zum anderen aufgrund mehrerer Verletzungen. Statt den Ligatitel nach zehn Jahren Abstinenz wieder nach London zu schaffen, konnte er bisher lediglich mit ansehen, wie die Gunners ihrer Linie mit den dritten und vierten Plätzen in der Liga treu bleiben. Zweifellos gute Platzierungen, aber eben nur gute. Warum es nicht zum Prädikat ‘weltklasse’ reicht. 

Zugegeben, Özil ist nicht komplett gescheitert. Zwar schaffte er es nicht, den Henkelpott ein erstes Mal überhaupt nach London zu holen, und er schaffte es auch nicht, die Liga zu gewinnen, aber immerhin brachte er nach neun Jahren überhaupt wieder einen wichtigen Pokal ins Emirates Stadium. Ebenso wie beim letzten Mal 2005 gewannen die Kanonier erneut den FA-Cup. Neun Jahre ohne Titel, und der Trainer danach ist immer noch derselbe wie der davor. Kein Wunder, das Arsenal im Nirgendwo feststeckt.

Wenn ein Unternehmen neun Jahre lang nur rote Zahlen schreibt und dann, ohne das eine Besserung in Sicht ist, im Jahr danach ohne etwas zu ändern wieder auf den gleichen Mann setzt, kann das nicht funktionieren. Im Gegenteil, die einzig logische Erklärung für ein solches Verhalten ist Faulheit. Zu faul um sich einen neuen Trainer zu suchen. Klar, seit ewigen Zeiten schon gilt Arsene Wenger als einer der weltbesten Trainer. Doch abgesehen vom Wunderjahr 2004, indem sich sein Team den Ligatitel ohne eine einzige Niederlage sicherte, und ein paar weiteren Titeln hat er eigentlich ja nicht gerade viel vorzuweisen. Selbst mit dem vielleicht besten Team aller Zeiten, dem eben angesprochenem Meisterteam von 2004, gelang es ihm nicht, sich die europäische Krone aufzusetzen.

Und dennoch wird der Franzmann von allen Seiten immer und immer wieder hochgelobt. Obwohl es dafür wie gesagt keine Erklärung gibt. Seit jeher werden andere Sachen für die Misere verantwortlich gemacht, die Spieler seien zu schwach, die Topspieler seien immer verletzt, aber den Trainer zu entlassen oder zumindest mal in Frage zu stellen, unvorstellbar. Damit ist der FC Arsenal so ziemlich das Gegenteil von Real Madrid. Die Spanier blieben nur ein einziges Jahr, im Jahr nach dem erreichen des Langzeitziels ‘La Decima’, ohne Titel, und dennoch wurde der Trainer, ja sogar der ganze Trainerstab plus das Ärzteteam, ausgetauscht. Gut, auch etwas überzogen. Die Optimallösung liegt wohl irgendwo in der Mitte.

So viel Probleme die Gunners auch haben mögen, Geld ist mit Sicherheit keines davon. Unglaubliche 280 Millionen Euro hätte Arsene Wenger theoretisch auf dem Transfermarkt zur Verfügung, das Ergebnis des jahrelangen Sparkurses Arsenals. Und da ist auch schon das nächste Problem. Seit Jahren schon versucht Wenger sein Team mit hochkarätigen Spielern zu bestücken, doch aus mehreren Gründen mag ihm das nicht so richtig gelingen. Ein gewisser Cristiano Ronaldo konnte er anno 2003 nicht vom eigenen Verein überzeugen, ein Christian Eriksen war ihm zu riskant, ein Luis Suarez und ein Jackson Martinez waren ihm zu teuer. Inzwischen gilt Ronaldo als weltbester Spieler (oder auch nicht), Eriksen sorgt aktuell bei Tottenham für die Furore, für die der um 35 Millionen Euro teurere Özil bei Arsenal hätte sorgen sollen und durch die gescheiterten Verhandlungen mit den beiden Stürmern klafft in der Sturmmitte aktuell ein gewaltiges Loch. 

Obwohl dies nur ein sehr kleiner Auszug der Wenger-Fehlschläge ist, zeigt er deutlich, warum Arsenal eben immer nur dritter oder vierter wird. Ohne Risiko gibts keinen Erfolg. Wenn ein Suarez eben 80 Millionen Euro kostet, dann ist das nunmal der Preis der zu zahlen ist, wenn Titel gewonnen werden sollen. Erfolg ist nicht kaufbar heißt es immer. Doch das ist falsch. Den Namen Real Madrid zu erwähnen reicht für diese These eigentlich schon aus. 240 Millionen gaben die Weißen allein für ihren Sturm aus, als Rückzahlung schoss der Real zu La Decima. Der FC Barcelona war es dann schließlich, der das viele Geld in Suarez investiert hat. Heute steht er, auch dank Suarez, als Triple-Sieger da. 

Das Arsenal dermaßen viel Geld auf der Bank hat, anstatt in Form von Pokalen im Trophäenschrank, ist daher kein Wunder. Wer die Marktpreise nicht zahlen will, hat nunmal keine Chance auf maximalen Erfolg. Derjenige hat keine Chance, ein zweites 2004 zu erleben. Dazu fehlen dann einfach die Henrys, die Vieiras, die Gilberto Silvas. Heuer soll die Stunde der Ausgaben geschlagen haben, ließ Wenger bereits vor Monaten verlauten. Doch so richtig klappen tut es auch heuer nicht. Eine neue Sturmspitze soll verpflichtet werden, bisher holte man sich jedoch lediglich Körbe von Benzema, Lewandowski, Aubameyang  und Jackson. Noch haben die Gunners rund einen Monat Zeit für ihre Einkäufe, damit nach Mesut Özil, der eigentlich auch nur aus einem Verzweiflungsakt heraus geholt wurde, endlich der nächste Superstar bei Arsenal landet. Die Zeichen, die Absagen der Stürmerstar belegen dies,  deuten jedoch wie so oft auf etwas anderes hin. Auf ein weiteres Jahr ohne Premier League-Titel.