Ein spanischer Heilsbringer?

Der FC Bayern sucht einen neuen Flügelspieler. Schnell und stark im Dribbling soll er sein, viel Potenzial soll er besitzen und dennoch schon jetzt auf einem Top-Niveau spielen. Ein Anforderungsprofil, das auf mindestens ein Dutzend Spieler zutrifft. Doch die Medien scheint das nicht zu interessieren. Denn abgesehen von den 3-4 Superstars ignorierten sie bisher die restliche Welt der Flügelspieler. Dabei gäbe es durchaus auch interessante Spieler unter den Ignorierten. Einer davon ist Jose-Maria Callejon.

Sagt Ihnen der Name Jose-Maria Callejon etwas? Vermutlich nicht. Bei den beschränkten Medien ist dies jedoch wie gesagt kein großes Wunder. Jose-Maria Callejon wurde 1987 in Spanien geboren. Er ist sowohl auf dem linken-, als auch auch den rechten Flügel zuhause. Aktuell spielt der 28-jährige beim SSC Neapel in der Serie A, ausgebildet wurde er in ‘La Fabrica’ bei Real Madrid, und nachdem er sämtliche Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen hat ist er aktuell auch A-Nationalspieler. Zweifellos ein ansehnlicher Werdegang, doch reichen seine Anlagen auch für den FC Bayern?

Ja und Nein. Ja, weil Callejon bekannt dafür ist, dass er immer aufs Ganze geht und seine Außenbahn bis aufs Äußerste beackert, eine Tatsache, die Pep Guardiola sicherlich gefällt, nein, weil er anders als ein Franck Ribery oder Arjen Robben kein typischer Offensivgeist ist. Auch wenn unbestritten ist, das er die Technik und Schnelligkeit dazu hätte. Speziell in seiner Jugendzeit bewies er dies desöfteren. Laut ehemaligen Trainern soll er damals für seine impulsiven Dribblings landesweit berüchtigt gewesen sein. Doch irgendwie kam ihn sein Offensivgeist über die Zeit abhanden. Nun ja, irgendwie hat auch einen Namen: Jose Mourinho.

Das Kapitel Mourinho taucht eben immer wieder auf. Der Defensiv-Guru holte Callejon 2011 von Espanyol Barcelona zu Real Madrid zurück und ließ ihn regelmäßig als Wechselspieler auflaufen. Planmäßig sollte er eigentlich aus der Tiefe nach Vorne stoßen und durch seine Schnelligkeit für Tore sorgen, doch da Mourinho in den meisten Spielen nur darauf bedacht war, die Führung über die Zeit zu retten, war offensiver Fußball in den Minuten, in denen Callejon spielte, eben nur zweitrangig. Stattdessen eignete er sich so Defensivkünste an, die er bis heute regelmäßig ausleben darf. Spielt er aktuell doch in Italien, in dem Land, das 1-0 Ergebnisse erfunden hat. Doch eines sollte man bei all dem Defensiv-Gerede nicht vergessen. Das er nicht mehr ganz so stark auf der Offensive bedacht ist, heißt nicht, dass er nicht offensiv spielen kann! 

Besser gesagt, er ist noch nicht so stark auf Offensive bedacht. Denn sollte der FC Bayern aus irgendeinem Grund diesen Artikel lesen und danach auch erkennen, wie gut Callejon zu ihnen passt und das sie ihn verpflichten müssen, und wenn sie dies dann auch umsetzen würden, dann würde die große Stunde des Pep Guardiola schlagen. Denn dann könnte er sein vielleicht größtes Talent zeigen: das Formen und Bearbeiten von Spielern. Wenn er eines kann, dann das. Erst recht, wenn der Spieler bereits über eine derartige Technik, wie Callejon sie besitzt, verfügt. Ein paar Taktikstunden sollten im Fall der Fälle dann nicht das Problem sein, im Gegenteil, das ist Grundvorrausetzung für jeden Spieler, denn die würde er noch öfters erhalten. Schließlich ist es unmöglich für einen Spieler, alle Taktiken von Guardiola zu kennen. Die Fertigkeiten, alle auszuführen, hat Callejon aber definitiv!

Weiters spricht für Callejon, das in der Säbener Straße bereits eine Art spanisches Konsulat steht. Die Integration wäre bei einem spanischen Trainerteam und bei aktuell sechs Bayern-Spielern, die muttersprachlich spanisch sprechen, denkbar einfach. Auch preislich spricht einiges für Callejon. Denn umsonst ist er zwar sicher nicht, doch für rund 20 Millionen Euro müsste er zu haben sein. Definitiv keine Unsumme für KH Rummenige und Co.

Fazit: Um es in technischen Worten zu sagen: Callejon ist definitiv kein iPhone. Denn er hat klasse, ist relativ günstig zu haben und er wäre eine Bereicherung für jeden Klub, auch für den FC Bayern. Zumindest kurzfristig gesehen, denn ein kleineres Manko ist, das Callejon schon 28 Jahre alt, und dementsprechend langfristig kein Thema sein kann. Denn 28 ist zwar zweifellos ein perfektes Fußballeralter, doch im Vergleich mit einem Raheem Sterling, der gerade 20 Jahre alt ist, ist er nicht mehr jung. Doch das sollte nicht das entscheidende Kriterium sein, denn mit 28 kann er noch vier Jahre auf Top-Niveau spielen. Vier Jahre länger als Franck Ribery, denn der befindet sich aktuell in einer Art Pre-Rente…