Österreichs nervigster Fußballer – Teil I

Wer als 16-jähriger ganz allein, ohne Sprachkenntnisse und mit geringen Erfolgsaussichten ins Ausland wechselt, ist entweder ziemlich dumm oder einfach nur sehr überzeugt von sich selbst. Auf Marko Arnautovic trifft sicherlich letzteres zu (auch wenn das eine das andere nicht ausschließt). Denn heute, zehn Jahre nach seinem Schritt ins Ausland, gilt er als fixe Größe im Nationalteam, als Millionenverdiener und als Champions League Sieger. Wieso er trotz allem nur bei Stoke City spielt. 

‘Heute haben wir einen künftigen Weltfußballer gesehen.’ – als Marko Arnautovic 2007 damit in die niederländischen Schlagzeilen gerät, ist er noch völlig unbekannt. Derart unbekannt, das die Schlagzeilen der holländischen Presse nicht einmal Österreich erreichten bzw. die heimische Presse es nicht für nötig hielt, über den damals 17-jährigen zu berichten. Schließlich galt es, eine EM vorzubereiten, und nicht, über irgendeinen Spieler des holländischen Unterbaus zu schreiben. Dabei gab es jede Menge Gründe, dies zu tun. Zum einen, weil Arnautovic einmal mehr die vielleicht beste Jugend der Welt, die Jugend von Ajax Amsterdam, zum Verzweifeln gebracht hatte und er obendrein bereits regelmäßige Einsätze bei den Profis von Twente Enschede bekam, und zum anderen, weil Arnautovic genau jenen Spielertyp charakterisierte, den Österreich so dringend brauchte. Den extrovertierten Superstar.

Zugegeben, Superstar mag zu dieser Zeit (eigentlich auch heute noch) übertrieben gewesen sein. Die Nationalelf hätte ihn dennoch gebrauchen können, denn anno 2008 bestand sie aus einem Kapitän, der als unbescholtenes Muttersöhnchen galt, und einem Abwehrchef, bei dem man trotz Tattoos und trotz einer Vorliebe für Hard-Rock das Gefühl hatte, das er Angst vor dem Medienrummel hatte. Einer, der auch mal sagt wies läuft und einer, der einfach mal auf dem Putz haut, fehlte dem Team. Von Stars ganz zu Schweigen. Wenig überraschend versagte die Elf deshalb auch bei der Heim-EM 2008, sowie bei der Qualifikation für die WM 2010.

Für Arnautovic lief es indes besser. Ohne den Druck der österreichischen Presse zu spüren blühte er in Holland auf, bis zum Sommer 2009 kam er auf 24 Scorerpunkte in 59 Spielen für die Profis aus Enschede. Obendrein wurde er Vizemeister und zu Twentes ‘Player of the Season’gekürt. Neben dem Platz lief es jedoch nicht ganz so rund. Er zerstritt sich mit dem Management, da er nach sechs Wochen nicht mehr zum Sprachkurs gehen wollte. Er sei nur mit Holländern unterwegs und könne die Sprache deshalb schon perfekt. Zudem zerstritt er sich mit dem Floridsdorfer AC, seinem ehemaligen Verein. Dieser bezichtigte ihn der Faulheit und mangelnden Respekts. Zudem ließ der Verein mehrmals verlauten, dass Arnautovic untrainierbar sei und niemand mit ihm klar käme.

Die europäischen Spitzenklubs interessierte dies weniger. Schließlich war nur vom Jugendverein die Rede, der könnte genauso gut rachsüchtig sein oder einfach nur deprimiert über die Tatsache, das Arnautovic dem FAC den Rücken gekehrt hatte. Als erstes signalisiert Schalke Interesse. Doch er lehnte ab, der Klub sei zu wenig glamourös. Ein Wechsel zu Chelsea scheiterte am Medizincheck, zu Feyernoord wollte er, verständlicherweise, auch nicht. Schließlich erhielten Inter Mailand und Jose Mourinho den Zuschlag. Einhergehend mit dem Wechsel stieg auch sein Prestige, er stieg zum wertvollsten österreichischen Spieler auf. Und das ohne jemals ein Länderspiel bestritten zu haben. Österreich halt…