Ein Opfer der Politik

Der Champions League Countdown läuft schon wieder. Am Samstag ist Finale, doch leider spielen nicht Real gegen Bayern, sondern irgendwelche anderen Teams gegeneinander. Dabei wäre alles angerichtet gewesen, um zumindest die Spanier im Finale spielen sehen zu können. Eine 1-0 Führung, ein Bernabeu, das bebte, und dazu die drückende Überlegenheit der Königlichen. Das der Einzug dennoch nicht klappte, lag vor allem an einem Mann: An Alvaro Morata.

Rache wird eben kalt serviert. Und der Spanier hatte jede Menge Gründe, um sich bei seinem Ex-Klub zu rächen. Ein kaltes Trainerteam, ein ignoranter Präsident, eine mangelnde Wertschätzung im Team. Und das, obwohl alles zunächst optimal aussah… 

Der kleine ‘Alvarito’ verbrachte den größten Teil seiner Jugend beim Stadtrivalen Atletico, ehe er, kaum 16 Jahre alt, von den Real Scouts entdeckt und abgeworben werden konnte. Kaum angekommen, traf er auch schon regelmäßig, zunächst noch für die Jugend-, später für die Reservemannschaft Reals in der Segunda Division. Dementsprechend schnell konnte er sich, zusammen mit den Neo-Madridistas Nacho, Jese und Carvajal, in die Gunst seiner Coaches spielen. Speziell Jose Mourinho, damaliger Real Coach, war angetan von seinen Toren und Leistungen, sodass dieser den damals 18-jährigen zur allgemeinen Überraschung die Saisonvorbereitung 2011 mit den Profis absolvieren ließ. Zudem kündigte er an, das Morata während der Saison noch häufiger zu Einsätzen kommen werde, und er ließ die Presse gar wissen, dass Morata schon bald als Weltfußballer gefeiert werden würde.

Angesichts dieser Aussagen waren die Erwartungen der Fans natürlich hoch, extra motiviert durch den Abgang des großen Raul’s  ein Jahr zuvor. Schließlich war das Bedürfnis nach einem echten Madridista im Sturmzentrum groß. Doch es sollte noch zu früh sein. Trotz der Ankündigung Mourinhos, Morata häufiger einzusetzen, ließ er den Spanier insgesamt nur neun Minuten spielen. Doch halb so schlimm, denn so konnte er weiter zusammen mit seinem kongenialen Partner Jese in der dritten Liga für Furore sorgen. Und zum Trost gabs die Torjägerkrone obendrauf auch noch.

Seine starken Leistungen waren nicht mehr zu verbergen, sodass nicht nur mehr ausschließlich Jose Mourinho, sondern auch die restlichen sogenannten Experten in Alvaro Morata den künftigen Weltfußballer sahen. Dementsprechend begann auch das Spiel um seine Unterschrift erneut, wie einst damals, als Morata den Weg vom Stadtrivalen zu den Königlichen fand. Speziell Atletico soll mehrmals angeklopft haben, doch der verlorene Saison wollte nicht zurück, unterschrieb stattdessen erneut bei Real. Sein Durchbruch schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Im folgenden Jahr 2013 war es dann soweit, er schaffte den Durchbruch in der ersten Mannschaft, spielte mehrmals von Beginn und noch häufiger als Joker. Trotz seiner Verpflichtungen der ersten Mannschaft gegenüber war er aber dennoch weiterhin eine immens wichtige Stütze für die zweite Mannschaft. Er traf wettbewerbsübergreifend 14 mal in den Kasten des Gegners, und das trotz mehrerer kleinerer Verletzungen, die ihn über die Saison hinweg plagten. Es sollte jedoch nicht seine einzige Sorge bleiben. Denn Jose Mourinho, sein so geliebter Förderer und Trainer, zerstritt sich mit der Mannschaft und wurde nach einer titellosen Saison entlassen. Vernünftigerweise entlassen, ja, Perez kann auch vernünftige Entscheidungen treffen. Er holte Carlo Ancelotti ins Boot, der Anfang vom Ende Moratas.

Denn schien sein Stammplatz unter Mourinho nur noch eine Frage von Monaten zu sein, war sie wenig später eine Sache von Jahren. Denn nicht nur dass der Italiener vollends auf Benzema vertraute, er vertraute auch vollkommen auf Gareth Bale, den 100 Millionen Neueinkauf. Mit den drei Galacticos (BBC) vor der Nase waren Moratas Stammplatzaussichten praktisch bei null, doch da eine Leihe für Real nicht in Frage kam, musste er sich zumindest noch ein weiteres Jahr in Madrid durchbeißen. Er traf sieben mal, sagte dem Verein dann aber zur kommenden Saison wenig überraschend adé. Madrid brachte der Transfer 18 Millionen Euro, und eine Menge Häme. Denn kurz nach seinem Wechsel nach Turin klagte er öffentlich, wie kalt das Verhältnis zu Ancelotti gewesen sei und wie wenig man auf ihn gegeben hätte. Weder vom Präsidenten, noch vom Coaching-Team sei Unterstützung da gewesen. Doch er sei für immer im Herzen Madridista. 

Madridista am Ar***. Denn ausgerechnet er musste Real mit seinen Toren den Finaleinzug verbauen und ein Jahr ohne Titel bescheren, zudem gelang ihm damit auch die perfekte Rache an Ancelotti, denn der muss sich jetzt bekanntlich auf den Weg Richtung Job-Center begeben. Zugegeben, daran hatten auch andere Personen (Perez) einen großen Anteil. Er sorgte dafür, dass der am besten geeignete Trainer für Real gehen musste, bzw. er sorgte dafür, das Perez wieder auf die Idee kam, PlayStation im echten Leben zu spielen. Aber das ist ein anderen Thema…

Fazit: Das Alvaro Morata nie den Durchbruch zum Stammspieler in Madrid geschafft hat, ist mehr als ärgerlich. Speziell deshalb, da er unter Mourinho noch dafür fest eingeplant war. Stattdessen sorgt er jetzt in Turin für Furore und sogar zum Nationalspieler Spaniens hat er es gebracht. Doch wer weiß, vielleicht muss er sich schon demnächst wieder bei Real durchbeißen, spätestens 2016, wenn Real von der Rückkaufoption Gebrauch machen wird. Davon ist auszugehen, auch wenn er kein Galactico ist. Noch nicht…