Das wahre Problem

Die Fußballsaison ist (leider) schon wieder beendet. Zumindest für alle Fans von Real Madrid. Auch wenn noch ein Spieltag aussteht und der Champions League Sieger noch nicht feststeht. Aber da der katalonische Giftzwerg am vergangenen Wochenende ja unbedingt die Liga entscheiden musste und das Champions League Finale zwischen eben jenem Giftzwerg und dem Seniorenhaufen aus Turin stattfindet, gibt es keinen relevanten Grund mehr, sich die Spiele anzuschauen. Zu deprimierend war die Saison. Einen Grund, sich über die Geschehnisse in Madrid am Laufenden zu halten, gibt es dafür umso mehr. Denn ob bzw. wann Carlo Ancelotti fliegt ist noch offen. Ob der jedoch wirklich Reals Problem ist?

Was für eine Saison. Besser gesagt, was für eine katastrophale Saison. Und das, obwohl zunächst alles so gut aussah. Doch auf einen überragenden Herbst mit einer Siegesserie, die in die Geschichte einging als ‘längste Siegesserie eines europäischen Teams aller Zeiten’, folgte kein Durchmarsch, sondern das krasse Gegenteil. Ein Januar zum Vergessen, ein Februar geprägt durch Verletzungen, ein März inmitten von Schirifehlentscheidungen (Stichwort ‘Neymar Schwalbenkönig’) und eine unglückliche Endphase. Und das schlimmste dabei: Es gibt keinen Titel. Schon wieder…

Ein titelloses Jahr. Das gabs 2013 auch. Damals bewirkte dies den Rausschmiss von Mourinho, teaminterne Streitereien und die Einstellung des großen Heilbringers, Carlo Ancelotti. Dieser schaffte, was kaum einer vor ihm geschafft hat. Er schuf aus der ‘Mannschaft’ eine Mannschaft. Dementsprechend konnte er auch gleich im ersten Jahr Reals Langzeitziel ‘La Decima’ erreichen. Groß war der Jubel, die Heiterkeit, es wurde gar davon gesprochen, dass Ancelotti der Alex Ferguson von Real Madrid werden würde.

Ein titelloses Jahr später steht er jetzt vor dem Rauswurf. Gut, was konnte man auch erwarten, immerhin ist von Real Madrid die Rede. Nicht unbedingt der beste Verein, um sesshaft zu werden. Zumindest nicht, solange der Klub noch unter der Schreckensherrschaft von Fiorentino Perez steht. Auch wenn man Perez zugute halten muss, dass er finanziell auf höchsten Niveau arbeitet. Seit 2009 im Amt, verringerte er die Nettoverschuldung binnen fünf Jahren von 320 Millionen Euro auf 110 Millionen Euro.

Und das, obwohl er zwischenzeitlich mehrmals in seine legendären Kaufräusche geriet. Etwa im Jahr 2009, in welchem er sagenhafte 250 Millionen Euro für vier Spieler ausgab. Oder im letzten Jahr, als er für Gareth Bale 100 Millionen Euro ausgab. Für einen, der mittlerweile zur Zielscheibe der hereinprasselnden Kritik wurde. Doch abgesehen von der verbesserten Finanzsituation leistet er eine Arbeit wie keine. Die Transfers werden von ihm getätigt, egal ob der Trainer die Einkäufe gutheißt oder nicht. Drei Trainer standen seit 2009 bei ihm unter Vertrag, mit allen zerstritt er sich. Nicht zuletzt aufgrund der Transferpolitik. Auch mit Carlo Ancelotti, wenn man der spanischen Presse glauben mag. Auch wenn die nicht unbedingt für höchste Seriosität bekannt ist… 

Perez ist also der Mann, der mit den Trainern ein Problem hat. Nicht die Mannschaft. Die stellte sich klar hinter Ancelotti, doch was interessiert das den Präsidenten. Ist ja nicht so, als wäre ein eingeschworenes Team wichtig für Titelgewinne. Eine Mannschaft wie Atletico Madrid, eine Mannschaft bestehend aus Zusammenhalt, Kampf und Wille, jedoch ohne Superstars, die aber dennoch erfolgreich ist, was mag das für eine Horrorvorstellung für Perez sein. Wer will schon Titel gewinnen, wenn man stattdessen auch 20 Superstars unter Vertrag stehen haben kann. 

Nur jeder. Nein, jeder außer Perez. Mit so einem Vorgesetzten kann dann halt einfach kein Trainer Erfolg haben. Auch wenn Ancelotti das Wunder irgendwie vollbrachte und La Decima gewann. Doch das auch nur, weil Ramos in der 94. Minute seinen Kopf hinhielt. Ramos, einer der wenigen, die auch bei Atletico gut reinpassen würden. Ein echter Leader, kein Superstar. Aber na ja, auch Perez macht Ausnahmen. Auch wenn er mittlerweile beides ist, Superstar und Leader. Was kann Ancelotti dafür, wenn Perez lieber seine Galacticos sieht, als ein aufstrebendes Talent wie Alvaro Morata. Zum Dank schoss dieser Real am Mittwoch aus der Champions League.

Transferpolitik, Mitsprache bei den Aufstellungen, zerstrittene Verhältnisse zu den Trainern. Nicht Ancelotti ist das Problem, sondern fraglos Fiorentino Perez. Der Präsident muss schnellstens weg, völlig egal ob er rentabel arbeitet oder nicht. Das können andere auch. Denn nur vom rentablen Arbeiten allein hat keiner was, weder Fans, noch Trainer, noch Spieler. So drohen nur noch weitere titellose Jahre…