Mythos Milan

Schulden von knapp 250 Millionen Euro, ein neues Stadion, das um 350 Millionen Euro demnächst in die Bauphase übergeht, dazu ein Manager, der zu oft PlayStation gespielt hat und, na ja, Silvio Berlusconi halt. Dem AC Mailand ging es schon mal besser. 

Man kennt den AC Milan als einen der größten und erfolgreichsten Vereine der Welt. Als siebenfachen Champions League Sieger und als 18-fachen Ligameister. Als Topadresse im europäischen Fußball, als Heimstätte vieler Legenden wie Paolo Maldini, Filippo Inzaghi, Marco van Basten oder Franco Baresi. Diese Zeiten sind jedoch längst vorbei. Grund dafür ist wie sooft das liebe Geld.

Es geht doch immer ums Geld. Seit 1986 ist der Klub im Besitz von Silvio Berlusconi. Der rettete den Klub in dem 80-er Jahren vor dem Bankrott, schuf aus dem Nichts das bis heute beste Milan Team um Spieler wie Van Basten, Ancelotti, Baresi und Rijkaard. Durch Investitionen wurden Erfolge fast schon erzwungen, mit den Erfolgen stieg auch der Ruf des Politikers. Eine Win-Win Situation, dem Klub ging es besser als je zuvor, und Berlusconi, der ursprünglich ausschließlich aufgrund seiner politischen Ziele einstieg, verhalf die Vereinspolitik zu einem verbesserten Ansehen und schließlich zum Posten als Ministerpräsident.

Dementsprechend war er auch noch lange Zeit danach bereit, Unsummen in dem AC Mailand zu investieren. Als Werbung sozusagen. Doch irgendwann bricht jedes System zusammen. Die Skandale um Berlusconi häuften sich, die Wirtschaft in Italien ging, grob gesagt, den Bach runter und große Investitionen in einen Sportverein waren nicht unbedingt mehr das richtige Zeichen an die Wähler. Der zugedrehte Geldhahn und das Financial Fairplay, das den Einsatz von Privatvermögen um Ausgaben zu decken verhindert, das überlebt kein Topklub unbeschadet.

So ist es wenig überraschend, dass der letzte Ligatitel aus dem Jahr 2012 datiert. Danach musste der Mannschaftskern um Ibrahimovic und Thiago Silva aufgrund des Financial Fairplays verkauft werden, und die großen Hoffnungsträger wie ein Alexandre Pato oder ein Stephan El Sharaawy floppten. Seitdem wurde mit Mario Balotelli auch nur noch ein echter ‘Superstar’ gekauft, doch Balotelli ist ein ganz eigenes Kapitel. Ein Kapitel, indem es hauptsächlich um Elfmeter, geschrottete Autos und unangebrachte Affenlaute ging. Kurz gesagt, ein Fehlkauf. Wie die meisten aktuellen Spieler der Rossonieri. Statt Talente oder aufstrebende Spieler werden vorzüglich Altstars und ablösefreie Mittelklasse-Spieler gekauft. Bei dieser ‘Einkaufsstrategie’, die aber auch nur auf der PlayStation funktionieren kann, hilft auch alles Geld der Welt nicht mehr.

So ist es auch kein Wunder, das der Absturz in die Mittelklasse längst vollzogen ist. Nur ein Drittel seiner Spiele konnte Milan heuer gewinnen, der Zuschauerschnitt liegt bei knapp der Hälfte der 80.000 Plätze im San Siro. Durch ein neues Stadion soll diese Statistik aufgewertet werden, doch das kostet eben rund 350 Millionen Euro. Geld, das nicht vorhanden ist, und dennoch ausgegeben werden wird. Oder zumindest noch nicht vorhanden ist.

Jetzt, angekommen bei 250 Millionen Euro Schulden bzw. bald 600 Millionen Euro Schulden und einer Bilanz von minus 90 Millionen Euro im letzten Jahr, soll es ein neuer Investor richten. Ganz dem Vorbild des Stadtrivalen. Die holten sich bereits vor zwei Jahren mit Erik Thohir einen Investor ins Haus, gebracht hats ihnen ausgesprochen wenig. Der achte Rang steht im Moment zu Buche. Als potenzielle Abnehmer stehen ein thailändischer Bänker und einem chinesischen ‘Geschäftsmann’. Der eine ist bekannt dafür, dass ihm seine ‘Spielzeuge’ schnell wieder langweilig werden, und der andere gilt auch nicht unbedingt als seriöseste Person der Welt.

So schnell wird der Verkauf aber mit Sicherheit nicht über die Bühne gehen, denn Berlusconi verlangt rund 1,2 Millarden Euro, während Experten den Wert nur auf knapp 500 Millionen Euro schätzen. Zudem wird am 31. Mai wieder in Italien gewählt, und Berlusconis Berater werden ihm sicher nicht raten, vor den Wahlen den Unmut der Milanistis auf sich zu ziehen. Wieder vergeht eine Menge Zeit, verlorene Zeit. Zeit ist Geld, bei Milan heißt es jedoch Zeit ist Schulden. Und mit Schuldenanhäufung rettet man keinen Verein!

Milan geht es dreckig wie lange nicht. Geld, Topspieler, ein gutes Management und noch viel mehr Geld fehlen dem Klub. Obwohl man den einstigen Retter Berlusconi, der zweifelsohne  den Klub aktuell wieder in das Chaos, indem er den Klub übernommen hat, versetzt, als Feind ausgemacht hat, ist der nicht das wahre Problem. Das ist vielmehr die übertriebene Erwartungshaltung und das Geträume der Fans. Berlusconi sollte endlich reagieren, Wahlen hin oder her. Sonst werden es wohl immer Träume bleiben…