Eine neue Eiszeit bricht an…

Es gab Zeiten, da führten Meteoriteneinschläge noch zum Aussterben ganzer Arten, unter anderem zum Aussterben der Dinosaurier. Rund 65 Millionen Jahre später scheint sich die Situation jedoch etwas geändert haben. Denn der FC Bayern schlug auf den Bundesliga-Dino aus Hamburg zwar mit 8-0 und 9-1 Siegen ein, die legendäre Uhr in der Imtech-Arena tickt aber weiterhin. Zumindest noch einen Monat lang. 

Der Hamburger SV steht vor dem Abstieg aus der Bundesliga. Auf Rang 16 liegend, drei Punkte vom rettenden Ufer entfernt, spricht wirklich gar nichts für einen Verbleib in der Liga. Weder Körpersprache, noch Statistiken oder Ähnliches. Und das der Name Thomas Tuchel ständig herumgeistert, ist auch nicht gerade hilfreich. Vor allem weil mehr als fraglich ist, ob Tuchel tatsächlich zum HSV will. Verständlicherweise.

Schließlich wollte er ein Erstliga-Team mit großem Potenzial übernehmen. Potenzial ist durchaus vorhanden, angesichts der Finanzen. Und Rang 16 würde noch immer Relegation bedeuten, Tuchel könnte also in der ersten Liga einsteigen. Natürlich vorausgesetzt, der HSV würde im Fall der Fälle auch die Relegation gewinnen. Angesichts der Stärke des vermutlichen Gegners sollte das jedoch kein Problem sein. 

Denn Stand heute würde der Gegner aus Darmstadt kommen. Es würde gegen ein Team gehen,  dass im Sommer ganze 25 Tausend Euro für Spieler ausgegeben hat. Gegen ein Team, dessen bekanntester Spieler Jan Rosenthal heißt und vor der Saison per Leihe von Frankfurt in Richtung Darmstadt abgeschoben wurde. Und vor allem auch gegen ein Team, dessen Rekordtransfer in den 80ern getätigt wurde und damals etwa 150.000 DM gekostet hat. Eine Niederlage in einer solchen Partien und der Kiez würde wohl abbrennen.

Auch im letzten Jahr reichte es in Hamburg nur zu Rang 16. Relegation war die Folge, durch ein 0-0 und ein 1-1 wurde der Verbleib dann fixiert. Um genau zu sein mit einer Bunkertaktik und der Auswärtstorregel erschlichen.

Ob ein Relegationsspiel auch heuer in Hamburg stattfinden, ist sehr ungewiss. Jedoch nicht, weil der HSV noch die zweite Luft bekommen könnte, sondern weil Paderborn und Stuttgart nur ein bzw. zwei Punkte dahinter platziert sind. Vor allem dem VfB Stuttgart ist noch etwas zuzutrauen. Denn einen riesigen Vorteil haben die Stuttgarter: Sie wissen wo das gegnerische Tor steht.

Zumindest sind sie schon des öfteren davor aufgetaucht. Denn die 28 Tore des VfB sind auch nicht ganz auf Top-Niveau (FC Bayern – 71 Tore). Im Vergleich zu deren 16 vom HSV sind 28 Tore aber ein Top-Wert. Übrigens hat kein Team aus den Top-5 Ligen Europas hat weniger Tore erzielt als der HSV.

Der beste Torschütze ist aktuell Rafael van der Vaart mit vier Treffern, drei davon aus Elfmetern. Bei van der Vaart, der vor zwei Jahren für 13 Millionen Euro aus London kam, fangen die Probleme an. Als großer Hoffnungsträger wurde er damals empfangen, nach einer durchschnittlichen ersten Saison wurde er jetzt in Folge des schwachen Rückrundenstarts aus der Mannschaft verbannt. 

Ein falsches Zeichen im Abstiegskampf. Denn abgesehen davon das man 13 Millionen Euro nicht einfach so verrotten lässt ist der Holländer einer der ganz wenigen im Hamburger Team, der zumindest Ansätze eines Leaders zeigt. Im Vergleich zu Kapitän Heiko Westermann sogar einem Oliver Kahn gleicht. Leader sind das, was der HSV aktuell mehr als alles andere benötigt. Abgesehen von Toren. Van der Vaart würde dies mitbringen. Doch interessiert das die Hamburger. Natürlich nicht. Na ja, zumindest ein paar Hamburger interessierts. Die St. Pauli Fans, die sich jeden Samstag einen Ast ablachen könpnen über die verängstigten Leistungen des HSV.

Fehltransfer ist Van der Vaart trotzdem einer. Besonderheit ist er damit jedoch keine. Denn die Liste der Transferfehler ist lang. Toptalente und Leistungsträger wie Calhanoglu, Son, Elia und Choupo-Moting wurden günstig abgegeben und durch Ramschware ersetzt. Selbst Rene Adler, einer der wenigen sinnvollen Verpflichtungen, scheiterte. Ganze 40 Millionen Euro wurden vor der Saison investiert, damit rangiert der HSV weltweit auf Rang 23, ligaintern sogar auf Rang 4. Weit vor Spitzenteams wie Neapel, Schalke oder den Mailänder Klubs, noch weiter vor den Darmstädtern. 

Bringen tut ihnen das viele Geld aber nichts. Gerade deshalb muss es halt der Trainer richten. Neun Trainer in fünf Jahren sprechen wohl Bände. Den HSV in die richtige Richtung gelenkt hat keiner von ihnen. Am nächsten dran war Thorsten Fink, der den HSV immerhin auf den 8. Rang brachte. Nach einem schwachen Saisonstart flog aber auch er. Der aktuelle Trainer heißt Peter Knäbel und war zuvor Sportdirektor. Ein großes Risiko, angesichts der mangelnden Erfahrung. Dennoch sicher das richtige Signal. Denn selbst wenn jetzt alle Partien verloren gingen, ob Zinnbauer die Sache besser machen würde ist ebenso fraglich. Und schlimmer kanns ja sowieso nicht mehr werden. 

Der Hamburger SV ist in einer ganz heiklen Phase. Ob der Abstieg verhindert werden kann, ist mehr als nur fraglich. Zum Glück mehr als fraglich. Denn die aktuelle Spielweise des HSV braucht kein Mensch. Weder Zuschauer, noch Spieler, noch Trainer. Und mit dem Abstieg würde auch endlich das ‘Dino’-Gerede und der sinnlose Stolz um die verflixte Uhr endlich aufhören. Und Tuchel könnte sich einen vernünftigen Verein suchen. Denn eines ist gewiss. Nicht Wolfsburg, Hoffenheim oder Leipzig zerstören den Fußball, sondern Teams wie der aktuelle HSV spielen…