Think different

Samstag, 18:30, ARD. Ein Pflichttermin für alle Fußballfans. Denn um diese Zeit läuft normalerweise die Bundesliga in der Sportschau. Doch nicht an diesem Wochenende. Denn es ist mal wieder Länderspielpause. Statt Titel- und Abstiegskampf und qualitativ hochwertigen Fußball gibt es dieses Wochenende leider nur trostloses Rumgekicke und wertlose Freundschafts- und Qualispiele zu sehen. Spiele, die niemand braucht und niemand sehen will, aber dennoch seit Jahren schon ausgetragen werden. Zeit für eine Veränderung.

Schön, spannend, interessant ist der Fußball. Jedoch nicht immer. Denn so treffend diese Adjektive für den ganzen Klubfußball auch sind, für Verbandsfußball eignen sie sich nicht. Zumindest nicht für Verbandsfußball unter der Klubsaison. Vielmehr werden Langeweile, Sinnlosigkeit und Ärger über die Bundesligapause mit Länderspielen unter der Saison verknüpft . Und das, obwohl diese Spiele früher noch echte Saisonhighlights waren. 

Früher. Seitdem ist jedoch eine Menge Zeit vergangen. Der Spitzenfußball durchlebte einen Wandel, über die Jahre ist er immer inflationärer geworden. Der Fußball erlebte einen derartigen Wandel, dass heutzutage schlicht gar kein Platz mehr für solch trostlose Spiele ist. Wer kann sich schon für ein qualitativ schlechtes Spiel, indem es um nichts geht, begeistern, wenn zuvor die Champions League und danach in der Bundesliga der Titel- und Abstiegskampf läuft. Niemand. Der Spielplan ist mit Spitzenspielen derart vollgepumpt, dass dies unmöglich ist. 

Und dennoch finden Länderspiele unter der Saison noch immer statt. Auch wenn längst klar sein müsste, dass diese Spiele niemanden interessieren. Selbst die Hardcore-Konservativen bei der UEFA müssten das begriffen haben. Dennoch werden diese Spiele vermutlich noch lange ausgetragen werden. Kaum vorstellbar, dass bei den UEFA Seniorenveranstaltungen mal Regeländerungen oder Ähnliches vollzogen werden. 

Ansätze für solche Änderungen gäbe es zuhäufe. Zum Beispiel könnte man die ganzen Länderspiele auf den Sommer schieben. Würden Qualispiele und Freundschaftsspiele im Zweijahresrhythmus im Juni steigen, hätte dies nicht nur den Vorteil, dass die Länderspielpausen endlich Geschichte wären, sondern es wäre für die Klubs dann ganz einfach normal, wenn ihre Spieler nicht schon im Juli aus dem Urlaub zurückkommen. Damit würde auch die Jammerei eines Rummenigge oder Sammer nach einer WM oder EM endlich aufhören.  

Eine andere Variante wäre eine Verkleinerung der Quali-Gruppen. Machbar wäre dies durch eine ‘Vor-Quali’, in welcher die kleinen Länder um den Einzug in die eigentlich Quali spielen würden. Dann würde es immerhin nicht mehr ganz so viele Länderspielpausen geben. Vorausgesetzt, die lästigen Freundschaftsspiele würden eingestampft werden. Auch eine Kombination dieser beiden Ansätze wäre sinnvoll.

Die Realität sieht leider noch immer so aus, dass Länderspiele unter der Saison steigen. Und wer daran glaubt, dass die UEFA bzw. die FIFA tatsächlich das System umstellen, wird eine Enttäuschung erleben, soviel ist sicher. Denn so langweilig und sinnlos die Länderspiele sind, die TV-Quoten und die Einnahmen sprechen eindeutig für eine Beibehaltung des aktuellen Systems. Und da man etwas Weitblick vom Weltverband sicher nicht erwarten kann, bleiben die Änderungsansätze wohl noch lange eine Vision.