Come to the dark side…

Der Frühling ist endlich da. Doch statt das schöne Wetter, die Klänge der zurückkommenden Vögel oder das blühende Gewächs zu genießen, bläst man bei Real Madrid Trübsal. Nachvollziehbar, angesichts der Leistungen. Trend nach oben gibt es keinen. Aber einen in Richtung Klatsche im Clasico…

Was für ein Wochenende. Spiel verloren, Tabellenführung verloren, Führung in der Torjägerliste verloren. Und ausgerechnet Leo Messi bricht auch noch den Rekord für die meisten Hattricks in La Liga. Knapp zwei Wochen vor dem Clasico ist die Krise von Real Madrid perfekt. Eine Krise, die kommen musste.

Jedoch auch eine Krise, die leicht zu verhindern gewesen wäre. Damals in der Hinrunde, als es das Wort Niederlage noch nicht gab und es einen Rekord nach dem anderen zu feiern gab. Rekorde, aufgestellt von einer Mannschaft, die aus 11 Spielern bestand. Noch immer besteht. Die einen spielen immer, die anderen sitzen immer auf der Bank. Und 3-4 glückliche dürfen ab und zu mal eine Viertelstunde spielen. Rotation Fehlanzeige.

Und das, obwohl Ancelotti immer wieder betont hat, wie lang und kräftezehrend die Saison doch sei. Doch selbst als ein Toni Kroos oder Marcelo ein wenig Rotation forderten, änderte er nichts. Jetzt bekommt er dafür die Rechnung präsentiert.

Und die ist lang. Angefangen bei Toni Kroos, der immer müder und träger wirkt, über Gareth Bale, der schon lange einmal auf die Bank gehört, bis hin zu Cristiano Ronaldo, der seit seinem 30-er seiner Form hinterherläuft. Kein Wunder, 30 ist schließlich das Alter, in dem Spieler anfangen abzubauen. Dennoch, sicher nicht der einzige Grund für den Ronaldo-Wandel. Aus dem alten Ronaldo, einem Ronaldo, geprägt von ständigen Wehwehchen, von Schüssen in Ein-Mann-Mauern, aber halt auch von 52 Scorerpunkten, wurde ein Ronaldo, der aufgrund der ‘gemeinen’ Presse keine Interviews gibt, ab und an mal Gareth Bale zur Sau macht und nach Friseuren für seine Wachsfigur sucht. 

Dennoch spielt er. Ebenso wie Bale und alle anderen Galacticos. Als gäbe es keine Alternative. Als wäre da kein Jese Rodriguez auf der Bank. Jemand, der einst als Jahrhunderttalent etikettiert wurde und dem auch gerecht wird. Im letzten Jahr etwa, im Decima-Jahr, als Ronaldo rotgesperrt ausfiel und er ihn durch eine Torserie und durch große Spielintelligenz vergessen machte. Aufgehalten wurde er dann leider durch einen Kreuzbandriss, der aber längst verheilt ist. Doch interessiert Ancelotti das? 

Nein. Die Superstars werdens irgendwie schon richten. Und falls nicht, wozu gibts die letzte Viertelstunde. Statt daran zu glauben sollte sich Ancelotti mal ein Beispiel an Guardiola nehmen. Denn der nimmt seine Spieler nicht erst in der 80. Minute runter, sondern mitunter auch schon in der 30. Auch wenn ihm der Ausgewechselte das vielleicht ein wenig Übel nimmt. Der FC Bayern ist ja nicht die Caritas. Ebenso wenig wie Real Madrid. Wenn ein Gareth Bale seit zwei Monaten durchgehend schlecht spielt, dann gehört er auf die Bank. Wenn ein Illaramendi völlig überfordert ist, dann hat er keine Einsatzzeit verdient. So einfach ist das.

Wer Titel gewinnen will, muss über Leichen gehen. Guardiola weiß das, Mourinho weiß das, Ancelotti vermutlich auch. Dennoch hält er sich nicht dran. Will er die Saison erfolgreich beenden, muss er jedoch etwas ändern. Und zwar schnell. Es sei denn er ist scharf auf eine Klatsche gegen Barca …