Provokateur, Zauberer, Genie

Mino Raiola hat mal wieder einen rausgehauen. Der Ibrahimovic-Berater verriet in einem Interview, dass sein Schützling 2010 nach seinem misslungenen Jahr in Barcelona liebend gerne zum Erzrivalen nach Madrid gewechselt wäre, um Guardiola eins auszuwischen. Damit tätigt er eine Aussage, die normalerweise hohe Wellen schlagen würde. Nichts so bei ihm.

Denn bei ihm ist derartiges Standard. So behauptete er beispielsweise während seiner Zeit in Barcelona, dass er und Messi alleine die Champions League gewinnen könnten und jeder Coach mit Barca gewinnen würde. Ein erfolgloses Jahr später allerdings meinte er, dass man ihm nicht die Schuld geben könne, da kein guter Trainer da gewesen sei.

In einem anderen Interview war er der Meinung, dass niemand ein ähnlich stressiges und schwieriges Leben wie der ‘beste Spieler aller Zeiten’ selbst hätte. Aber natürlich, denn Werbung machen, sich tätowieren lassen, sich bei der Presse über Guardiola auszuheulen und ab und zu mal auf dem Feld ein paar Tore schießen ist ja aufs Übelste stressig. Auch nannte er sich selbst einmal ein ‘Geschenk für Frankreich’, da er so viele Steuern zahle. 

Dies sind bei weitem nicht die einzigen Beispiele. Als arrogant, selbstverliebt oder proletenhaft wird er meist beschrieben. Kein Wunder bei solchen Sprüchen. Sein Image interessiert ihn herzlich wenig, die Medien würden doch sowieso schreiben was sie wollen. Und dennoch wollen ihn die besten Vereine immer wieder. Aus einem einfachen Grund: Ibrahimovic ist genial.

Zumindest auf dem Platz ist er das. Denn obwohl er mittlerweile 33 Jahre alt ist, ist er einer der besten der Welt. Im letzten Jahr wurde er Torschützenkönig in Frankreich, mit zehn Toren Vorsprung auf den zweitplatzierten Vincent Aboubakar. Legendär ist auch sein Tor gegen England, als er per Fallrückzieher aus 57 Metern traf. Beim Ballon d’Or 2014 belegte er Rang 12. Er kommentierte die Sache nicht groß. Für einen anderen undenkbar. Für jemanden, der von einer Verschwörung sprechen würde.

Für Jose Mourinho. Der Mann, durch den er den Superstar-Status erreichte. Unter dem Portugiesen erlebte er seine vielleicht beste Zeit, er gewann das Double und die Torjägerkrone bei Inter Mailand, was ihm aber auch den Transfer zu Guardiola einbrockte. Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, wenn er ein paar Mal vorbeigeschossen hätte. Denn so wäre es nicht zum Wechsel gekommen, er wäre er noch ein Jahr bei Inter geblieben, er hätte die Champions League gewonnen und er hätte ein Jahr später zusammen mit Mourinho zu Real gehen können. Auch wenn er für den Wechsel keinen Grund mehr gehabt hätte.

Mourinho war zu der Zeit, als Ibra seinen Rachefeldzug plante, gerade von den Königlichen verpflichtet worden. An ihm scheiterten die Verhandlungen sicher nicht, angesichts der guten Erfahrungen mit den Schweden. Nur Real wollte ihn nicht. Real wollte nicht noch einen Superstar mit XXL-Ego, Real hatte schon jemanden, der alle Freistöße schießen wollte, ohne dass er jemals auch sein Ziel getroffen hätte. Real wollte sich den Zickenkrieg ganz einfach ersparen.

Das Risiko war ihnen zu groß, obwohl auch klar ist, dass Ibrahimovic viel besser zu Real, dem Verein der Superstars, als zu Barcelona, dem “Verein der Schuljungen”, passt. Einen Ibrahimovic vorne drin zu haben ist besser als einen Benzema, der seit seiner Ankunft 2009 mehr schlechte Jahre als gute Jahre hatte. Und eines ist gewiss. Eine funktionierende Offensivreihe mit Ronaldo, Kaka, Özil und Ibrahimovic wäre nicht aufzuhalten gewesen. Oder eine Reihe mit Ronaldo, Ibrahimovic und Bale. 

Dass der Transfer und die damit verbundene Rache scheiterte, ist zwar für Ibrahimovic nicht gut, aber umso besser für Real. Denn auch wenn die Möglichkeit gäbe, dass die Königlichen mit ‘Ibrakadabra’ erfolgreicher gewesen und La Decima ein paar Jahre früher geholt hätten, geschafft haben sie das Ganze auch ohne ihn. Und es wäre ja langweilig, wenn Ibra und sein Berater sich nicht mehr bei der Presse ausheulen würden…