Die Jahre vergehen…

Marco Reus ist vom Markt. Auch wenn er laut Dortmunder Aussagen nie auf dem Markt war. Sein neuer Vertrag läuft bis 2019 und bringt ihm nicht nur rund 40 Millionen Euro ein, er beendet damit auch eine schier endlose Diskussion über einen möglichen Wechsel nach München. Über einen Wechsel, der nötig gewesen wäre.

Der FC Bayern steht vor einer heiklen Phase, denn mehrere Leistungsträger werden in den nächsten Jahren wegfallen. Dazu gehören die beiden Kapitäne Schweinsteiger und Lahm, der Regisseur Xabi Alonso und die Flügelzange Robbery. Sie alle sind bereits Ü30, sprich in fünf Jahren entweder in Rente oder am Geld abstauben irgendwo in Dubai, China oder in den USA.

Fest steht, dass die Bayern mit dem aktuellen Personal die Lücken nicht füllen können, obwohl sie in der Zentrale mit Thiago, Gaudino, Höjbjerg, Kimmich und auch Alaba ganz gut gerüstet sind. Auf den Flügeln schaut die Sache ganz anders aus, denn Stand heute steht schlicht keine Alternative für Robbery bereit. Thomas Müller und David Alaba sind zwar hervorragende Spieler, aber nicht auf den Flügeln zuhause. Auch wenn David Alaba theoretisch wohl auf jeder Position einsetzbar ist.

Und Spieler wie Mitchell Weiser oder Julien Green werden wohl nie das Format eines Robbens erreichen, auch wenn ersterer zumindest im Trainingslager in Katar überzeugte. Green setzt sich jedoch nicht einmal beim Chaoten-Verein in Hamburg durch. Eine Alternative aus der B-Mannschaft wäre Sinan Kurt, welcher im Sommer für vier Millionen Euro aus Gladbach geholt wurde. Ob er aber den ganz großen Durchbruch schaffen wird, bleibt abzuwarten. 

Marco Reus wäre die perfekte Lösung gewesen. Er kennt die Liga, für 25 Millionen wäre er verhältnismäßig günstig gewesen, und vor allem ist er genau der Typ Spieler, den die Bayern brauchen. Ein Spieler, der Tempo, Spielintelligenz und Sololäufe vereint, einer, der aus dem Nichts Chancen herausspielen kann, jedoch nicht das Ego eines Ibrahimovic oder auch jenes eines jüngeren Arjen Robben besitzt. Und das alles auf einem Bayern-würdigem Niveau. 

In der Vergangenheit haben sich bereits einige Spieler daran versucht, in dieses Profil zu passen. Ob das ein Xherdan Shaqiri, ein Lukas Podolski oder ein Jose Sosa war, völlig egal. Sie alle wurden bereits als zukünftige Weltfußballer gehandelt, sie alle sind gescheitert. Die Messlatte liegt also sehr hoch. Jedoch nicht so hoch, dass sie nicht erreichbar wäre.

Sonst gäbe es ja keinen, der diese Latte erreichen könnte. Die gibt es jedoch. Einer davon ist Kevin de Bruyne. Der Belgier lieferte zum Rückrundenstart mit zwei Toren und einer Vorlage eine perfekte Bewerbung ab. Ob er die Erwartungen jedoch erfüllen könnte, ist ebenfalls fraglich. Denn so gut er im Moment auch spielen mag, Chelsea schob ihn im Sommer nicht grundlos an VW ab. Obendrein wäre er auch nicht gerade billig, zumal auch ManCity mit einem 55 Millionen Euro Angebot interessiert sein soll. Sein Vorteil: Ebenso wie Julian Draxler ist er noch sehr jung und kennt die Liga bestens.

Doch 55 Millionen bzw. 45 Millionen sind nicht nichts. Vor allem nicht für die Bayern, die in hohen Ablösesummen anders als manch andere (spanische) Vereine keine Statussymbole sehen und deshalb gerne darauf verzichten.

Doch wenn es sein muss muss es sein. Und es wird nötig sein. Denn wenn ein Gareth Bale 100 Millionen und ein Neymar 90 Millionen wert sind, ist kein Spieler auf diesem Niveau für 10 oder 15 Millionen zu haben. Weder ein Raheem Sterling oder ein Eden Hazard noch ein Koke oder Alexis Sanchez. Oder sonst jemand von diesem Format. 

Die vielleicht beste Flügelzange der Welt wird nicht leicht zu ersetzen sein. Denn im aktuellen Kader lässt sich keine Lösung finden, und Marco Reus ist auch schon vom Markt. Dennoch sollten sich die Bayern nicht allzu lange Zeit lassen und wenn es sein muss etwas mehr Geld als üblich auf den Tresen legen. Nicht umsonst gilt der Fußball als schnelllebiges Geschäft. Im einen Jahr noch Triplegewinner und ein 7:0 gegen Barca, im nächsten schon ein 0:5 gegen Real. Denn sollten Rummenigge und Co. eine Ruhephase auf dem Transfermarkt einlegen, könnte die nächste Relegation schon BVB gegen Bayern heißen…