Standfußball gegen Qualität

Heute startet die österreichische Bundesliga in die Rückrunde. So richtig interessieren tut dies jedoch nur die Wenigsten bzw. immer weniger Menschen. Warum auch. Auch in der Schweiz geht der Trend zunehmend in die falsche Richtung. Gegensteuern könnte man mit einer Lösung, die beiden Ländern etwas bringen würde. Eine gemeinsame Liga.

Wie das möglich ist, hat das Eishockey bereits vorgemacht. In der ‘Erste Bank Eishockey Liga’ spielen Mannschaften aus fünf verschiedenen Ländern. Seit 2006 spielen Teams aus Italien, Ungarn, Tschechien, Slowenien und Österreich in Grunddurchgang, Zwischenrunde und Playoffs um den Titel. Auch im Fußball wurde in der Vergangenheit bereits mehrmals an einer länderübergreifenden Liga gearbeitet. 

Die BeNe-Liga, in welcher zwölf Mannschaften aus den Niederlanden und acht aus Belgien spielen sollten, stand vor zwei Jahren kurz vor der Gründung. Die Spitzenteams aus beiden Ligen sollen sich bereits einig gewesen sein, die Verbände verweigerten jedoch die Gespräche. Standard Lüttich drohte in weiterer Folge sogar mit dem Ausstieg aus der belgischen Liga. Ein gesteigertes, öffentliches Interesse und eine bessere TV-Vermarktung wurde damals angestrebt.

Zweifellos hätte eine ‘Alpenliga’ sehr viele Vorteile. Sportlich, da die Qualität einer solchen Liga mit Sicherheit höher ist, als in zwei einzelnen Ligen. Etwas, das für Topteams wie Salzburg und Basel längst notwendig ist. Denn internationaler Erfolg ist mit 11 Monaten Standfußball nicht möglich. Nicht umsonst wollte Red Bull bei der Übernahme 2005 mit Salzburg in die deutsche Bundesliga. Dazu kommt noch, dass Topspieler zumindest ein bisschen aufmerksamer auf eine solche Liga wären. Jene Spieler, die für internationalen Erfolg nötig sind. 

Auch wirtschaftlich würde sich das Ganze rentieren. Da beide Ligen mit zunehmenden Zuschauerschwund kämpfen, wäre zumindest kurzfristig ein gesteigertes Interesse der Leute vorhanden. Auch wenn die Schweizer Ticketverkäufe im Verhältnis zur Einwohnerzahl im europaweiten Vergleich noch immer ausgezeichnet sind. Ganz im Gegenteil zu jenen Österreichs. 10 500 Schweizer gegen 6200 Österreicher. Bei einer halben Millionen Einwohner weniger.

Zum Vergleich: Die dritte Liga in Deutschland hat einen Schnitt von 6500 Zuschauern. Demzufolge ist die österreichische Bundesliga auf gehobenem Regionalliga-Niveau. Auch wenn oft über Statistiken hergezogen werden, manchmal muss man ihnen einfach Recht geben.

Dazu kommt auch noch, dass die Platzierung in der 5-Jahreswertung, jener Wertung, die Auswirkungen auf die europäischen Plätze hat, nach oben gehen würde. Ob dies ein Vorteil ist, ist aber vom Betrachter abhängig. Salzburg hätte sicher kein Problem damit, nicht mehr in einer Quali zu scheitern. Mannschaften wie Grödig oder St. Pölten wären dann aber ohne Chance, den Europacup zu erreichen. Im Gegenteil, es wäre sogar fraglich, ob solche Teams erste Liga spielen würden. 

Auch wenn es vermutlich eine Weile dauern würde, bis die Rahmenbedingungen geklärt wären, eine gemeinsame Liga wäre auf jeden Fall sinnvoll. Für die Zuschauer, die Mannschaften und vor allem wäre der österreichische Fußball nicht mehr ganz so peinlich. Und obwohl auch die ‘Rettet die Dorfklubs’-Demos vermutlich nicht allzu viel bewegen würden, bleibt die Liga ein Gedankenspiel. Der Stolz auf die eigene, große Bundesliga ist leider sehr groß in Österreich. Als würde nicht jedes Land eine bessere Regionalliga vorweisen können. Und da auch die Schweiz mitspielen müsste, gibt es eine 0-prozentige Chance. Doch sag niemals nie…