Die Uhr tickt…

Lang ist es her, da galt Mario Gomez noch als bayrische Lebensversicherung. Was danach folgte ist bekannt. Eine schwere Verletzung, die Verpflichtung von Mario Mandzukic, die Flucht nach Florenz. Doch es läuft nicht bei der Fiorentina. Die Gründe dafür liegen auf der Hand…

Muskelfaserriss, Innenbandriss, Verletzungen am Sprunggelenk… Die Liste der Gründe für die aktuelle Situation des Mario Gomez ist lang. Zu lang, um alles aufzuzählen. Ganze 48 Pflichtspiele hat der Deutsche seit seinem Wechsel im Sommer 2013 verpasst. Auch die Weltmeisterschaft. Auch wenn dies nur indirekt auf eine Verletzung zurückzuführen war. Zur WM fährt ein Spieler nämlich nur, wenn er in Topform ist. Für diese ist jedoch Spielpraxis nötig. Und um Spielpraxis zu bekommen wiederum eine optimale Fitness, welche Langzeitpatienten wie Gomez aber leider nicht haben können. So schließt sich der Kreis leider immer wieder ohne ihn. 

Aktuell ist er aber fit. Zumindest sagt der das. Seine Leistungen sagen allerdings etwas anderes. Etwas in die Richtung ‘Wahrnehmungsausfälle’ oder ‘endlose Blackouts’. Vor zwei Wochen etwa brachte er es in 45 Minuten zustande, kein einziges Mal den Ball zu berühren. Und als er dann einmal an den Ball kam, vergab er freistehend aus fünf Metern. Solche Gelegenheiten sollte er nutzen, denn das war mal seine große Stärke. Oder ist sie das noch immer?

Nein. Laut seinem Coach Vincenzo Montella nicht. Dieser legte ihm in einer Pressekonferenz gar nahe, seine Karriere zu beenden. Ein Spieler könne nicht mit einer psychologische Blockade spielen. Auch wenn er mit dem einen Recht haben mag, wie dämlich kann sich ein Trainer eigentlich anstellen? Auch wenn er nach der Niederlage gegen Parma vielleicht etwas aufgebracht war, Temperament hin oder her. 

Ein Trainer seiner Klasse sollte sich zusammenreißen können, und nicht einfach sagen, wonach ihm ist. Vor allem wenn alle Augen auf ihn gerichtet sind. Ein Politiker kann auch nicht mitten in einer Rede anfangen, seine eigene Partei in den Dreck zu ziehen. Vor allem wenn die Partei Mario Gomez heißt und Mitglied im Spielerrat und dritter Kapitän ist. Mal ganz abgesehen davon, dass jeder Spieler Höhen und Tiefen erlebt. Anstatt seine Spieler zu kritisieren, sollte er sich also lieber mal selbst hinterfragen. Schließlich ist der Trainer der Hauptschuldige, wenn sein Team schlecht spielt.

Ein Karriereende wäre zweifelsohne eine sehr heftige und übertriebene Reaktion von Gomez. Nicht umsonst soll er in England hoch im Kurs stehen. Seine große Klasse vor dem Tor ist nun mal nach wie vor unbestritten. Die hat er aber leider nur, wenn er fit ist. Und da er aktuell fit ist, wäre dies eine gute Möglichkeit, wieder in alte Sphären vorzudringen. Höchste Zeit ist es längst, denn die Uhr tickt. Aktuell leider gegen ihn…