Überlegenheit war einmal…

Es gab Zeiten, da hatten Duelle zwischen Real- und Atlético Madrid nur aufgrund der Stadt-Rivalität etwas Besonderes an sich. Sportlich spielten die beiden Vereine in verschiedenen Sphären. Noch 2010 schlossen die ‘Rojiblancos’ die Primera Divison auf Rang neun ab, 49 Punkte hinter dem großen Nachbar. Vier Jahre später standen sich die beiden im Champions League Finale gegenüber, Atletico als frisch gekürter Meister. 

Hinter dieser Entwicklung steht vor allem ein Mann. Diego Simeone. Bereits als Spieler war dieser für Atletico tätig, gar Meister wurde er. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an ihn. Doch er erfüllte sie nicht nur, nein, er übertraf sie. Denn im Gegensatz zu seinen Trainervorgängern suchte er die Probleme im Spiel Atleticos nicht nur, er ging anschließend auch dagegen vor. Er erkannte, dass halbherzige Sololäufe und planlose Flanken eine Mannschaft nicht weiterbringen, und strich sie komplett aus dem Spiel. Er erkannte auch, dass es der Mannschaft in vielen Situationen an der Bereitschaft zu Kampf und Opfern und am nötigen Willen fehlte. Dinge, die für das neue System essentiell sein würden.

Das neue System, das mühsame System, das langweilige System, wie auch immer. Die Devise heißt hinten reinstellen, auf Konter lauern, diese dann ausnutzen. Klingt einfach, ist für Gegner aber wahnsinnig schwer zu knacken. Speziell für Real. Drei der letzten fünf ‘Derbi Madrilenos’ wurden verloren, zweimal gab es ein Remis. Siege werden vergeblich gesucht. Auch im letzten Aufeinandertreffen im Copa-Rückspiel gab es nur ein Remis. Der Grund ist schnell gefunden. Er heißt Pepe und spielte als zwölfter Mann für Atletico. Könnte man zumindest meinen.

Bereits nach 50 Sekunden stellte Torres auf 0-1 aus Sicht von Real. Vorangegangen war zunächst ein katastrophaler Fehlpass von Pepe, dann verlor er auch noch den wichtigen Zweikampf gegen Griezmann. Nach 20 Minuten glich Ramos die Partie aus, mit 1-1 ging es in der Pause. Es folgte altbekanntes. Eine Minute gespielt, Fehlpass, Pepe rutscht am Gegner vorbei, Torres zur Führung. Auch wenn der Fehlpass diesmal nicht vom Portugiesen kam, wer im entscheidenden Moment an Freund und Feind vorbeirutscht, ist nicht ganz unschuldig. Nach einer Stunde verletzte er sich dann bei etwas, was wie eine versuchte Schwalbe aussah. Glück für ihn, der Schiedsrichter ahndete die Szene nicht. 

Für ihn in die Partie kam Raphael Varane. Der 21-jähriger Franzose war bereits unter Mourinho Stammspieler, verlor diesen Status jedoch leider unter Ancelotti. Einen plausiblen Grund dafür gibt es eigentlich nicht. Varane ist jünger, strahlt sehr viel Ruhe aus und besticht durch ein hervorragendes Kopfballspiel. Dazu sieht er extrem selten eine Karte. In 117 Pflichtspielen als Profi sah er nur acht Gelbe Karten, noch nie wurde er des Platzes verwiesen. Im Gegensatz dazu ‘Karate-Kid’ Pepe, der nicht gerade durch eine faire Spielweise bekannt ist. 

Gerade als das lästige Barca wieder schwächer wird, taucht auch schon ein neuer Angstgegner auf. Dieser wird wohl noch länger diesen Status behalten, zumindest solange, bis Ancelotti bei Real etwas verändert. Ein guter Anfang wäre, Pepe rauszunehmen. Denn auch wenn “hätte, wenn und aber” nicht zählt, ohne ihn wäre Real wohl noch in der Copa del Rey vertreten. Als wäre das nicht genug, er trägt sogar dazu bei, Unmögliches möglich zu machen. Tore des “unsichtbaren Stürmers”…