Es war einmal vor langer, langer Zeit…

Ausgeschieden in der Gruppenphase der WM, nur ein Verein im Champions League Achtelfinale, in der UEFA -Fünfjahreswertung steht man nur auf Rang 4, gerade noch vor Portugal. Der italienische Fußball erlebt aktuell die schwärzeste Zeit seiner Geschichte. Anzeichen, dass es nach oben geht, gibt es keine. Im Gegenteil…

Italien und der Fußball, aktuell gewiss keine Liebesgeschichte. Vorbei sind die Zeiten, in denen die besten Spieler der Welt in die Serie A wollten. Vor zehn oder fünfzehn Jahren hießen die Topstars noch Zidane, Baggio, Ronaldo und Kaka, allesamt Weltfußballer, heutzutage sind Vidal, Higuain und Tevez das Glamouröste, was die italienische Liga zu bieten hat. Selbst Ersatzspieler von Arsenal werden gefeiert wie sonstwas. Das spiegelt sich sowohl in der Qualität der Teams, aber auch leider in den Zuschauerzahlen wieder.

Im Schnitt kommen in der aktuellen Hinrunde nur 22.000 Menschen in die Stadien. Ein katastrophaler Wert. 22.000 Plätze pro Stadion sind nur rund 49 Prozent der maximalen Auslastung . Zum Vergleich: Die Deutsche Bundesliga verkauft durchschnittlich pro Spieltag 93% aller verfügbaren Tickets, selbst die Österreichische Bundesliga liegt mit 48 Prozent Auslastung nur hauchdünn unter den Italienern. 

Gründe für die Zuschauermisere gibt es einige. Einer der Hauptgründe ist sicher die Tatsache, dass die Spitzenspiele schlicht langweilig sind. Catenaccio will einfach niemand mehr sehen, zu oft fallen zu wenig Tore. Ein gutes Beispiel bietet das Mailänder Derby, in welchem in den letzten zehn Partien nur ein Mal mehr als zwei Tore fielen. Zum Vergleich: Beim ‘El Clasico’ fielen in den letzten zehn Spielen immer mehr als zwei Tore. 

Ein weiterer Grund sind die Zuschauer, die wenigen Zuschauer, die noch in die Stadien gehen, selbst. Immer häufiger kommt es zu Todesfällen in den Stadien, Rassismus spielt leider immer noch eine Hauptrolle. Selbst zu Anspielungen auf Hitler und die SS kommt es. Wer will denn in ein Stadion gehen, indem man sich Schlägereien und Affenlauten ausgesetzt ist, nur um ein durchschnittliches oder schlechtes Spiel und ungewollte, rechtsradikale Schleichwerbung zu sehen? 

Keiner. Zumindest fast keiner. Die wenigen, die sich davon angezogen fühlen, will aber sowieso kein Verein der Welt. Auch wenn die Situation aktuell nur selten so krass ist, der Trend geht ganz klar in diese Richtung. Eingreifen tut aber keiner, würde ja Arbeit bedeuten. Sowieso ein Fremdwort für Berlusconi und Co. Die Wenigen, die etwas dagegen tun wollen, sind leider derbe in Unterzahl…

Zurzeit gibt es ohne Frage Schöneres in Italien als Fußball. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich stecken die Tifosi in einem Loch, das nur schwer zu füllen sein wird. Auch die neu gewonnenen Investoren werden kaum daran interessiert sein, die Schulden zu senken, im Gegenteil, teure Altstars liegen leider bei einigen Vereinen immer noch im Trend. Statt für einen sportlichen Aufschwung zu sorgen integrieren sich diese aber leider nur in die italienische Wirtschaftsituation…