Zwischen Genie und Wahnsinn

29.06.2012. Mario Balotelli trifft im Halbfinale gegen Deutschland doppelt und sorgt mit seiner Jubelpose für Bilder, die um die Welt gehen. Mittlerweile ist es jedoch ruhig um ihn geworden. Zumindest sportlich…

Zwei zerschrottete Autos, eine abgefackelte Villa, sein Maserati wurde bereits 27 mal abgeschleppt. Angeblich soll er auch schon Dartpfeile nach Jugendspielern geworfen haben. Die Zahl der Skandale des “Enfant Terrible” ist zu groß, um sie alle aufzuzählen. Sein neuestes “Meisterwerk” ist ein Post auf Instagram, mit dem er ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollte. Das Ergebnis sind 32.000 Euro Strafe und eine Sperre für das nächste Ligaspiel. Zudem wird ihm Antisemitismus vorgeworfen. 

Ganz so schlimm ist die Sache aber nicht. Schließlich war das nicht der erste undurchdachte Post des Italieners. Im vergangenen Sommer erst veröffentlichte er ein Foto von sich zusammen mit einer Pumpgun, welches seinen Abschied aus Mailand endgültig besiedelte. Einen neuen Verein hat er aber dennoch gefunden. Der FC Liverpool nahm ihn mit Freuden auf, schließlich musste dieser den Abgang von Luis Suarez kompensieren. Trotz seiner Skandale darf man nicht vergessen, welches Potential Balotelli besitzt.

Nicht umsonst unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei Inter Mailand als 16-jähriger. Dort avancierte er unter seinen Förderern Roberto Mancini und Jose Mourinho zum größten Hoffnungsträger Italiens. Schon damals erhitzte er die Gemüter enorm, mehrmals kam es zu Schlägereien mit Mitspielern. Wenig überraschend, dass er erstmals große Bekanntheit nicht durch seine Leistungen auf dem Platz, sondern aufgrund eines Zitates von Mancini erhielt. Dieser meinte, dass er nicht jeden Tag mit Balotelli reden würde, da er sonst einen Psychiater bräuchte.

2010 folgte dann der Wechsel nach England zu Manchester City. Klar könnte man meinen, dort gibt es schließlich die meiste Kohle zu holen. Es war gleichzeitig auch der Wechsel zurück zu seinem alten Förderer Mancini. Dennoch, es sollte nicht laufen in England. Zu sehr war er abgelenkt von seinen besten Freunden, den Scheinchen. Während seinen zweieinhalb Jahren in Manchester flog er unglaubliche sieben mal vom Platz, in 12 Spielen seines Klubs fehlte er aufgrund von Sperren. Das einzig rekordverdächtige, was er in dieser Zeit zusammenbrachte, war seine Abschleppquote[1].

So kam es, dass er im Januar 2013 zum AC Mailand flüchtete. Dort schien es, als würde er an seine Leistungen bei der EM anknüpfen können, bei der er Italien ins Finale schoss und drei Treffer markierte. In der Rückrunde traf er in 13 Spielen zwölf mal ins gegnerische Tor. Auch in der Folgesaison brachte er es immerhin noch auf 14 Tore, die meisten davon waren allerdings Strafstöße.

Es folgte mal wieder ein Wechsel, diesmal zurück nach England. Doch es läuft noch nicht rund. Erst ein mickriger Treffer gelang ihm bisher. Riecht schon wieder verdächtig nach dem nächsten Wechsel…

Langsam aber sicher sollte Balotelli seine Skandale abstellen. Wer weiß, wie lange es die Vereine noch mit ihm aushalten. Mit ein bisschen Disziplin und Konzentration würde er mit Sicherheit auf einem ganz anderen Level spielen. Dann wären alle zufrieden, Trainer, Fans und warscheinlich auch er selbst. Denn das liebe Geld würde dann ganz von alleine kommen…